Startseite Seminare News Die vielseitigen Aufgaben eines CFO: Pflichten und Fristen 2026/2027

Fachbeitrag für CFOs und Geschäftsleiter

Die vielseitigen Aufgaben eines CFO: Pflichten und Fristen 2026/2027

Rechtsstand: Oktober 2026 · Lesezeit: ca. 14 Minuten · Autor: Achim Schulz

Sieben Aufgabenfelder, die Pflichten dahinter und der Fristenkalender: geltendes, im Übergang befindliches und künftiges Recht getrennt dargestellt.

Management Summary

Die Aufgaben eines CFO sind in den vergangenen Jahren deutlich breiter geworden. Neben Finanzplanung und Abschluss stehen heute Liquiditätssicherung in unsicheren Märkten, Risikomanagement und Cybersicherheit, neue Berichts- und Steuerpflichten und die Einführung von Künstlicher Intelligenz in der eigenen Funktion auf der Agenda.

Der Deloitte CFO Survey Frühjahr 2026 mit 164 Finanzvorständen zeigt die Prioritäten: 68 Prozent setzen auf Kostensenkungen, 64 Prozent auf die Integration von KI. Geopolitische Risiken sind für 63 Prozent der wichtigste Risikofaktor. Nur 19 Prozent priorisieren bei Investitionen die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens vor Wachstum und Kosteneffizienz.

Rechtlich liegt die Messlatte hoch: Als Organ haftet der CFO nach § 93 AktG bzw. § 43 GmbHG. Hinzu kommen das Zahlungsverbot nach § 15b InsO, die Steuerhaftung nach § 69 AO und die Strafbarkeit nach § 266a StGB. Für 2026 und 2027 kommen neue Pflichten hinzu oder verschärfen sich: E-Rechnung, IFRS 18, globale Mindeststeuer, Nachhaltigkeitsberichterstattung nach Omnibus I, Entgelttransparenz und die KI-Verordnung.

Dieser Beitrag zeigt Ihnen die sieben Aufgabenfelder des CFO, die rechtlichen Pflichten dahinter und die Fristen, die 2026 und 2027 wichtig werden. Er trennt dabei durchgängig geltendes, im Übergang befindliches und künftiges Recht. Das Anforderungsprofil und die Kompetenzen behandelt der CFO-Aufgaben und Anforderungsprofil; dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

1. Rolle und Verantwortung: Was für den CFO rechtlich gilt

Wie weit die Verantwortung des CFO reicht, hängt von seiner Stellung ab. Die Pflichten lassen sich nach Funktion trennen:

Geltendes Recht

  • CFO als Organ: Ist der CFO Vorstand einer AG oder Geschäftsführer einer GmbH, haftet er nach § 93 AktG bzw. § 43 GmbHG für die Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsleiters. Nach der Rechtsprechung des BGH (II ZR 11/17) setzt eine wirksame Ressortverteilung eine klare und eindeutige Abgrenzung voraus. Die übrigen Geschäftsleiter bleiben zur Überwachung verpflichtet – umgekehrt muss auch der CFO die anderen Ressorts im Blick behalten.
  • CFO als leitender Angestellter oder Prokurist: Die Organhaftung trifft ihn nicht unmittelbar. Er kann aber über delegierte Pflichten, steuerliche Verantwortung oder strafrechtliche Vorschriften in die Verantwortung geraten.
  • Business Judgment Rule: Nach § 93 Abs. 1 Satz 2 AktG liegt keine Pflichtverletzung vor, wenn das Vorstandsmitglied vernünftigerweise annehmen durfte, auf der Grundlage angemessener Information zum Wohle der Gesellschaft zu handeln. Der CFO liefert diese Informationen häufig selbst – und muss ihre Qualität sicherstellen.

Praxistipp: Lassen Sie Ihr Ressort in der Geschäftsordnung schriftlich und eindeutig festlegen und dokumentieren Sie, wie Sie über die anderen Ressorts informiert werden.

Mehr dazu: Business Judgment Rule · Rechte des CFO

2. Aufgabenfeld Finanzmanagement und Liquidität

Die Kernaufgabe bleibt die finanzielle Stabilität: Budget, Forecast, Investitionsdisziplin, Working Capital und vor allem Liquidität. In einem Umfeld steigender Energie- und Rohstoffkosten – 46 Prozent der CFOs sehen steigende Rohstoffkosten, 43 Prozent steigende Energiekosten als hohes Risiko – wird eine rollierende Liquiditätsplanung zur Pflichtaufgabe.

Geltendes Recht

  • Frühwarnung: Nach § 1 Abs. 1 StaRUG wachen Geschäftsleiter fortlaufend über Entwicklungen, die den Fortbestand gefährden können.
  • Zahlungsverbot: Nach § 15b Abs. 1 InsO dürfen die antragspflichtigen Mitglieder des Vertretungsorgans nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung „keine Zahlungen mehr für diese vornehmen“. Ausgenommen sind Zahlungen, die mit der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters vereinbar sind.
  • Prognosezeiträume: Für die drohende Zahlungsunfähigkeit ist in aller Regel ein Prognosezeitraum von 24 Monaten zugrunde zu legen (§ 18 Abs. 2 InsO), für die Fortführungsprognose bei der Überschuldung zwölf Monate (§ 19 Abs. 2 InsO).

Praxistipp: Führen Sie eine 13-Wochen-Liquiditätsvorschau, die wöchentlich aktualisiert wird, und verknüpfen Sie sie mit der Jahres- und Mehrjahresplanung. So erkennen Sie Engpässe früh genug für Gegenmaßnahmen.

Mehr dazu: Liquidität planen · Treasury-Management

3. Aufgabenfeld Planung und Strategie

Der CFO übersetzt die Strategie in Planzahlen, Investitionsentscheidungen und Kennzahlen. 2026 bedeutet das vor allem: in Szenarien planen. Wer geopolitische Risiken, Energiepreise und Zinsen nur als Punktwert einplant, wird von der Realität überholt. Typische Aufgaben:

  • Strategische Mehrjahresplanung mit Basis-, Stress- und Chancenszenario
  • Investitionsrechnung mit klaren Hürdenraten und Nachkontrolle
  • Steuerungskennzahlen mit Früh- und Spätindikatoren
  • Entscheidungsvorlagen für Geschäftsleitung und Aufsichtsgremium

Praxistipp: Legen Sie für jedes Szenario fest, ab welchem Auslöser (etwa Energiepreis, Auftragseingang, Zinsniveau) welche Maßnahmen greifen. So wird aus der Szenarioplanung ein Handlungsplan.

Mehr dazu: CFO-KPIs · KPI Power

4. Aufgabenfeld Risikomanagement, IKS und Cybersicherheit

Der CFO ist häufig für das Risikomanagement und das interne Kontrollsystem verantwortlich. Der Deloitte CFO Survey zeigt eine Lücke: Drei Viertel der CFOs investieren verstärkt in Cybersicherheit, aber weniger als die Hälfte in weitere Maßnahmen zur geopolitischen Widerstandsfähigkeit, etwa die geringere Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten (48 Prozent) oder die Absicherung von Preisschwankungen (26 Prozent). Dazu gehören ein Überwachungssystem zur Früherkennung bestandsgefährdender Entwicklungen, die Absicherung von Währungs-, Zins- und Rohstoffrisiken, Versicherungen, Notfallpläne und – für betroffene Unternehmen – die Umsetzung der NIS2-Pflichten.

Geltendes Recht

  • Überwachungssystem: Der Vorstand einer AG hat nach § 91 Abs. 2 AktG geeignete Maßnahmen zu treffen, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten, damit bestandsgefährdende Entwicklungen früh erkannt werden. Für GmbH-Geschäftsführer ergibt sich die Pflicht aus § 1 StaRUG und der allgemeinen Sorgfaltspflicht.
  • NIS2: Für besonders wichtige und wichtige Einrichtungen müssen die Geschäftsleitungen seit dem 06.12.2025 die Risikomanagementmaßnahmen zur Cybersicherheit umsetzen, ihre Umsetzung überwachen und regelmäßig an Schulungen teilnehmen (§ 38 BSIG). Verstöße können nach Gesellschaftsrecht zur Haftung führen.

Praxistipp: Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen unter die NIS2-Regeln fällt. Wenn ja, gehört die Cybersicherheit in den regelmäßigen Risikobericht an die Geschäftsleitung – mit Kennzahlen, nicht nur mit Maßnahmenlisten.

Mehr dazu: Risiko-Frühwarnsysteme nach StaRUG · NIS-2 für Führungskräfte

5. Aufgabenfeld Rechnungslegung, Steuern und Compliance

In diesem Aufgabenfeld kommen 2026/2027 die meisten neuen Pflichten zusammen. Dazu gehören insbesondere die E-Rechnung, IFRS 18 für IFRS-Anwender, die globale Mindeststeuer für große Konzerne und die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach Omnibus I. Hinzu kommen persönliche Risiken.

Geltendes Recht

  • Steuerhaftung: Die gesetzlichen Vertreter haften nach § 69 AO, „soweit Ansprüche aus dem Steuerschuldverhältnis (§ 37) infolge vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Verletzung der ihnen auferlegten Pflichten nicht oder nicht rechtzeitig festgesetzt oder erfüllt“ werden.
  • Sozialversicherungsbeiträge: Wer als Arbeitgeber Beiträge des Arbeitnehmers zur Sozialversicherung der Einzugsstelle vorenthält, macht sich nach § 266a Abs. 1 StGB strafbar. In der Krise haben diese Zahlungen deshalb Vorrang.
  • E-Rechnung und GoBD: Seit 2025 müssen alle Unternehmen E-Rechnungen empfangen können. Die GoBD wurden mit BMF-Schreiben vom 14.07.2025 angepasst; die Verfahrensdokumentation bleibt erforderlich.
  • Globale Mindeststeuer: Unternehmensgruppen mit mindestens 750 Mio. EUR Umsatz mussten ihren ersten Mindeststeuer-Bericht bis zum 30.06.2026 beim Bundeszentralamt für Steuern einreichen. Der internationale Austausch der Berichte erfolgt bis Ende 2026.

Künftiges Recht und Übergang

  • E-Rechnung ausstellen: Papier- und sonstige Rechnungen sind nach der Grundregel bis 31.12.2026 zulässig. Ab dem 01.01.2027 müssen Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz über 800.000 EUR E-Rechnungen ausstellen, ab dem 01.01.2028 alle Unternehmen.
  • IFRS 18: Für IFRS-Anwender ändert sich ab dem Geschäftsjahr 2027 die Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung mit neuen Zwischensummen. Vom Management definierte Leistungskennzahlen müssen im Anhang erläutert werden. Die Vergleichsperiode 2026 ist anzupassen.
  • Nachhaltigkeitsberichterstattung: Nach Omnibus I (Richtlinie (EU) 2026/470) sind ab dem Geschäftsjahr 2027 nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. EUR Umsatz nach der CSRD berichtspflichtig. Die Umsetzungsfrist läuft bis 19.03.2027; das deutsche Umsetzungsgesetz steht noch aus, bis dahin gilt § 289b HGB.
  • Entgelttransparenz: Nach der Richtlinie (EU) 2023/970 müssen Arbeitgeber mit 150 und mehr Beschäftigten erstmals bis zum 07.06.2027 über das Entgeltgefälle berichten. Die Umsetzungsfrist ist abgelaufen, das deutsche Gesetz steht aus. Die Datenbasis liegt häufig im Finanz- und Personalcontrolling.

Praxistipp: Führen Sie einen Fristenkalender für alle Berichts- und Steuerpflichten mit verantwortlicher Person und Vorlaufzeit. Für die E-Rechnung ab 2027 sollten Software und Prozesse bis Ende 2026 getestet sein.

Mehr dazu: Bilanzen lesen und steuern · CFO-Haftung in Österreich

6. Aufgabenfeld Finanzierung, Banken und Investoren

Für den Mittelstand ist die wichtigste Stakeholder-Beziehung häufig die zur Bank. Seit dem 11.01.2026 gelten für Banken die EBA-Leitlinien zum Management von ESG-Risiken; Banken fragen deshalb zunehmend Energieverbräuche, Emissionen und Transformationspläne ab. Hinzu kommen Kreditklauseln (Covenants), deren Einhaltung laufend überwacht werden muss. Typische Aufgaben:

  • Regelmäßige, offene Information der Banken – nicht erst in der Krise
  • Covenant-Überwachung mit Vorschau auf die nächsten Testtermine
  • ESG-Datenpaket für Bankgespräche
  • Für kapitalmarktorientierte Unternehmen: Investor Relations, Kapitalmarktkommunikation, Ad-hoc-Pflichten

Praxistipp: Rechnen Sie Ihre Kreditklauseln mindestens quartalsweise für die nächsten vier Testtermine vor. Droht eine Verletzung, sprechen Sie die Bank an, bevor der Test fällig ist.

Mehr dazu: Hürden im Bankgespräch · Kreditklauseln

7. Aufgabenfeld Team, Transformation und KI

Der CFO führt nicht nur Finanzteams, sondern verantwortet zunehmend die Digitalisierung der Finanzfunktion. Nach dem Deloitte CFO Survey plant fast die Hälfte der CFOs (48 Prozent), KI-Anwendungen in der Finanzfunktion in den kommenden 24 Monaten zu skalieren. Zwei Drittel (66 Prozent) erwarten durch KI einen substanziellen Stellenabbau in der Finanzfunktion. Daraus ergeben sich drei Führungsaufgaben:

  • Anwendungsfälle priorisieren: Abschluss, Rechnungsprüfung, Forecast und Abweichungsanalyse sind typische Startpunkte.
  • Kompetenzen aufbauen: Unternehmen müssen nach Art. 4 KI-Verordnung die Entwicklung der KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten unterstützen.
  • Veränderung gestalten: Rollen in Buchhaltung und Controlling verändern sich. Wer Stellen umbaut, muss Qualifizierung, Mitbestimmung und Kommunikation früh planen.

Künftiges Recht

  • Ab dem 02.12.2027 gelten Hochrisiko-Pflichten für KI-Systeme, die unter anderem die Leistung von Beschäftigten bewerten oder die Kreditwürdigkeit natürlicher Personen beurteilen (Anhang III KI-Verordnung, i. d. F. der Verordnung (EU) 2026/1744). KI-Anwendungen für Forecast oder Abschluss fallen in der Regel nicht darunter.

Praxistipp: Berichten Sie KI-Projekte in der Finanzfunktion wie Investitionen: mit Kosten, erwartetem Nutzen, Messgrößen und Abbruchkriterien.

Mehr dazu: KI im Controlling · Executive Education CFO

8. Fristenkalender: Aufgaben eines CFO 2026/2027

Die folgende Übersicht fasst die Termine zusammen und ordnet jede Zeile einem Rechtsstand zu: geltend (heute anzuwenden), Übergang (Übergangsregel, Umsetzung oder Gesetz ausstehend) und künftig (beschlossen, aber noch nicht anzuwenden).

TerminPflichtBetroffeneRechtsstand
laufendFrühwarnung und Liquiditätsüberwachung (§ 1 StaRUG)alle haftungsbeschränkten Unternehmengeltend
seit 06.12.2025Leitungspflichten NIS2 (§ 38 BSIG)besonders wichtige und wichtige Einrichtungengeltend
31.12.2026Ende der Übergangsfrist für Papier- und sonstige Rechnungen (Grundregel)alle UnternehmenÜbergang
31.12.2026Internationaler Austausch der Mindeststeuer-BerichteKonzerne ab 750 Mio. EUR UmsatzÜbergang
01.01.2027Pflicht zur Ausstellung von E-RechnungenVorjahresumsatz über 800.000 EURkünftig
Geschäftsjahr 2027IFRS 18IFRS-Anwenderkünftig
Geschäftsjahr 2027CSRD nach Omnibus I (Umsetzung bis 19.03.2027)über 1.000 Beschäftigte und 450 Mio. EUR UmsatzÜbergang
07.06.2027Erste Entgeltberichteab 150 BeschäftigtenÜbergang
02.12.2027Hochrisiko-Pflichten der KI-Verordnung (Anhang III)Anbieter und Betreiber solcher Systemekünftig
01.01.2028E-Rechnungspflicht für allealle Unternehmenkünftig

Praxistipp: Übernehmen Sie den Fristenkalender in Ihren Compliance-Plan und prüfen Sie für jede Zeile, ob Ihr Unternehmen betroffen ist.

Mehr dazu: CFO Guide

Typische Schwachstellen im CFO-Ressort

Die folgenden sechs Punkte zeigen, wo die Aufgaben eines CFO in der Praxis am häufigsten an rechtliche Grenzen stoßen.

Unklare Ressortgrenzen

Ohne eindeutige schriftliche Abgrenzung greift die Ressortverteilung nicht; die Überwachungspflicht der übrigen Geschäftsleiter bleibt bestehen.

§ 93 AktG, § 43 GmbHG; BGH II ZR 11/17

Liquiditätsplanung nur im Jahresrhythmus

Bestandsgefährdende Entwicklungen müssen fortlaufend beobachtet werden. Eine Jahresplanung allein erkennt Engpässe zu spät.

§ 1 StaRUG; §§ 18, 19 InsO

Zahlungen nach Insolvenzreife

Nach Eintritt von Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung gilt das Zahlungsverbot, mit der Ausnahme sorgfaltsgemäßer Zahlungen.

§ 15b InsO

Steuern und Sozialbeiträge in der Krise

Steuerschulden und Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung haben in Engpässen Vorrang, weil Haftung und Strafbarkeit drohen.

§ 69 AO; § 266a StGB

NIS2-Betroffenheit nicht geklärt

Ob das Unternehmen als besonders wichtige oder wichtige Einrichtung gilt, entscheidet über Umsetzungs-, Überwachungs- und Schulungspflichten der Geschäftsleitung.

§ 38 BSIG

Fristen ohne Verantwortliche

E-Rechnung, IFRS 18, Mindeststeuer und Entgeltbericht laufen parallel. Ohne Fristenkalender mit Verantwortlichen und Vorlaufzeit gehen Termine unter.

UStG; VO (EU) 2026/338; § 75 MinStG; RL (EU) 2023/970

Quick-Check: 14 Prüffragen für das CFO-Ressort

Das Prüfschema ordnet jede Prüffrage dem Prüffeld und der Fundstelle zu. Beantworten Sie jede Frage mit „erfüllt“, „teilweise“ oder „offen“ und priorisieren Sie die offenen Punkte nach Haftungsrelevanz.

Nr.PrüffeldPrüffrageNormbezug
1RessortverteilungIst das Ressort des CFO klar und schriftlich abgegrenzt?§ 93 AktG, § 43 GmbHG; BGH II ZR 11/17
2EntscheidungsgrundlagenSind Entscheidungsvorlagen ausreichend informiert und dokumentiert?§ 93 Abs. 1 Satz 2 AktG
3LiquiditätGibt es eine rollierende Liquiditätsplanung mit 13-Wochen-Vorschau?§ 1 StaRUG; §§ 18, 19 InsO
4ZahlungsverbotIst sichergestellt, dass bei Insolvenzreife keine unzulässigen Zahlungen erfolgen?§ 15b InsO
5Steuern und SozialbeiträgeWerden Steuern und Sozialversicherungsbeiträge auch in Engpässen fristgerecht gezahlt?§ 69 AO; § 266a StGB
6RisikoüberwachungBesteht ein Überwachungssystem für bestandsgefährdende Risiken?§ 91 Abs. 2 AktG; § 1 StaRUG
7NIS2Ist geklärt, ob das Unternehmen unter NIS2 fällt?§ 38 BSIG
8E-RechnungIst die Ausstellung von E-Rechnungen ab 2027 vorbereitet?UStG; BMF-FAQ E-Rechnung; GoBD
9IFRS 18Ist die Umstellung auf IFRS 18 einschließlich Vergleichsperiode geplant?VO (EU) 2026/338
10MindeststeuerSind Mindeststeuer-Pflichten erfüllt (bei Konzernen ab 750 Mio. EUR)?§ 75 MinStG
11NachhaltigkeitsberichteIst die Berichtspflicht nach Omnibus I geprüft?Richtlinie (EU) 2026/470; § 289b HGB
12EntgelttransparenzIst die Datenbasis für den Entgeltbericht vorbereitet?Art. 9 Richtlinie (EU) 2023/970
13CovenantsWerden Covenants regelmäßig vorausberechnet?Kreditverträge
14KI-KompetenzSind KI-Anwendungen inventarisiert und die Nutzer geschult?Art. 4 KI-Verordnung

No-Regret-Maßnahmen: Checkliste für CFOs

Diese zwölf Maßnahmen lohnen sich unabhängig davon, wie einzelne Gesetzgebungsverfahren ausgehen.

  • Ressortverteilung schriftlich festgelegt
  • 13-Wochen-Liquiditätsvorschau eingeführt
  • Szenarioplanung mit Auslösern und Maßnahmen erstellt
  • Überwachungssystem für Risiken dokumentiert
  • NIS2-Betroffenheit geprüft
  • E-Rechnungsausstellung bis Ende 2026 getestet
  • IFRS-18-Umstellung geplant (falls IFRS-Anwender)
  • Mindeststeuer-Prozess etabliert (falls betroffen)
  • Fristenkalender mit Verantwortlichen geführt
  • Covenant-Vorschau quartalsweise erstellt
  • ESG-Datenpaket für die Bank vorbereitet
  • KI-Anwendungsfälle priorisiert und Schulung umgesetzt

Fazit: Kernbotschaften zu den Aufgaben eines CFO

Die Aufgaben eines CFO reichen 2026/2027 weit über Finanzplanung und Abschluss hinaus. Liquiditätssicherung in unsicheren Märkten, Risikomanagement und Cybersicherheit, eine Reihe neuer Berichts- und Steuerpflichten sowie die Einführung von KI in der Finanzfunktion bestimmen die Agenda.

Wer seine Verantwortung klar abgrenzt, Fristen systematisch steuert und die Finanzfunktion gezielt weiterentwickelt, schützt das Unternehmen und sich selbst vor Haftungsrisiken.

  • Verantwortung schriftlich abgrenzen und Informationswege dokumentieren
  • Liquidität rollierend steuern und das Zahlungsverbot kennen
  • Fristen mit Verantwortlichen im Kalender führen und Betroffenheit je Zeile prüfen
  • KI-Projekte wie Investitionen steuern und Kompetenzen aufbauen

Häufige Fragen zu den Aufgaben eines CFO

Was sind die wichtigsten Aufgaben eines CFO?+–

Finanzmanagement und Liquidität, Planung und Strategie, Risikomanagement und internes Kontrollsystem, Rechnungslegung, Steuern und Compliance, Finanzierung und Stakeholder sowie Führung und Transformation der Finanzfunktion.

Haftet ein CFO persönlich?+–

Ist der CFO Vorstand oder Geschäftsführer, haftet er als Organ nach § 93 AktG bzw. § 43 GmbHG. Hinzu kommen die Steuerhaftung nach § 69 AO und strafrechtliche Risiken etwa nach § 266a StGB. Als Angestellter haftet er in der Regel nicht als Organ, kann aber über delegierte Pflichten in die Verantwortung geraten.

Was ändert sich 2027 für CFOs?+–

Unter anderem die Pflicht zur Ausstellung von E-Rechnungen für Unternehmen mit mehr als 800.000 EUR Vorjahresumsatz, IFRS 18 für IFRS-Anwender, die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach Omnibus I für große Unternehmen und erste Entgeltberichte ab 150 Beschäftigten.

Was bedeutet das Zahlungsverbot nach § 15b InsO?+–

Nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung dürfen die antragspflichtigen Organmitglieder grundsätzlich keine Zahlungen mehr vornehmen, außer solchen, die mit der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters vereinbar sind.

Muss sich der CFO um Cybersicherheit kümmern?+–

In Unternehmen, die unter NIS2 fallen, muss die Geschäftsleitung die Risikomanagementmaßnahmen umsetzen, überwachen und regelmäßig an Schulungen teilnehmen. Auch ohne NIS2 gehört Cyberrisiko zum Risikomanagement.

Welche Rolle spielt KI für den CFO?+–

KI verändert Abschluss, Forecast und Analyse. Der CFO verantwortet Auswahl, Nutzen und Kontrolle der Anwendungen sowie die Qualifizierung des Teams. Nach Art. 4 KI-Verordnung muss das Unternehmen die KI-Kompetenz der Beschäftigten unterstützen.

Quellenverzeichnis

Verlinkt sind ausschließlich amtliche Quellen. Die Marktdaten stammen aus dem Deloitte CFO Survey Frühjahr 2026 (164 Finanzvorstände, Befragung 16.04. bis 07.05.2026).

EU-Rechtsakte

Bundesbehörden, Gerichte und Aufsicht

Gesetzestexte des Bundes

  • § 93 AktG – Sorgfaltspflicht, Business Judgment Rule
  • § 91 AktG – Überwachungssystem zur Früherkennung
  • § 43 GmbHG – Haftung der Geschäftsführer
  • § 1 StaRUG – Fortlaufende Überwachung bestandsgefährdender Entwicklungen
  • § 15b InsO – Zahlungsverbot nach Insolvenzreife
  • § 18 InsO – Drohende Zahlungsunfähigkeit, Prognosezeitraum
  • § 19 InsO – Überschuldung, Fortführungsprognose
  • § 38 BSIG – Umsetzungs-, Überwachungs- und Schulungspflichten der Geschäftsleitung
  • § 69 AO – Haftung der gesetzlichen Vertreter
  • § 266a StGB – Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt

Verwandte Leistungen und Programme

Wenn Sie die Aufgaben eines CFO strukturiert vertiefen wollen: Der Lehrgang CFO ist praxisnah und kompakt aufgebaut, mit Fokus auf Strategie, Governance und Risikosteuerung. Weiterführende Programme finden Sie bei den Finance-Seminare.

aufgaben-eines-cfo-fristen-2026-2027
Achim Schulz
Über den Autor

Achim Schulz

Geschäftsführer S+P Compliance & S+P Unternehmerforum · langjährige Vorstands- & Geschäftsführungserfahrung

Achim Schulz kennt die Führungsebene aus eigener Verantwortung – langjährig als Vorstand bei Banken und Geschäftsführer sowie als Interim-Manager in Industrieunternehmen. Diese Doppelperspektive aus Finanzsektor und Realwirtschaft prägt seine Beiträge für CEO, COO und CFO. Er kennt das Zusammenspiel von Geschäftsleitung, Aufsichtsrat und Gesellschaftern aus der Praxis und übersetzt strategische wie aufsichtsrechtliche Anforderungen in umsetzbare, haftungssichere Führungsentscheidungen – praxisnah und auf Augenhöhe mit dem Management.

LinkedIn-Profil → · Redaktion & Experten →

Service & Kontakt

S&P Unternehmerforum GmbH 809 Bewertungen auf ProvenExpert.com