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Fachbeitrag · Controlling

Aufgaben des Controllers 2026/2027: Kernaufgaben und neue Pflichten

Rechtsstand: Oktober 2026Lesezeit: ca. 19 MinutenAutor: Achim Schulz

Die Aufgaben des Controllers reichen von Planung und Forecast über Reporting und Kalkulation bis zur Beratung der Geschäftsleitung. 2026 und 2027 kommen Krisenfrüherkennung, E-Rechnung, IFRS 18, Entgeltberichte und KI-Anwendungen hinzu.

Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

Management Summary: Aufgaben des Controllers im Überblick

Controller sind keine Buchhalter und keine Prüfer. Sie sind Partner des Managements. Die International Group of Controlling (IGC) formuliert es im Controller-Leitbild (Version 4) so: „Controller leisten als Partner des Managements einen wesentlichen Beitrag zum nachhaltigen Erfolg der Organisation.“

Controller bereiten Entscheidungen vor, bewerten Alternativen und sprechen Empfehlungen aus. Die Entscheidung und die Verantwortung dafür liegen bei der Geschäftsleitung. Rechtlich relevant wird das Controlling dort, wo die Geschäftsleitung Pflichten erfüllen muss, die ohne belastbare Zahlen nicht zu erfüllen sind, etwa die fortlaufende Krisenfrüherkennung nach § 1 Abs. 1 StaRUG.

Die Rolle verändert sich spürbar. Die Hackett Group beziffert die Produktivitätslücke im Finanzbereich auf 5,3 %, weil die Arbeitslast steigt, während Personal und Budgets sinken. KI übernimmt Routinearbeit. Ab 2027 kommen die E-Rechnungspflicht, für IFRS-Anwender der Standard IFRS 18 und absehbar Entgeltberichte nach der EU-Entgelttransparenzrichtlinie hinzu.

Dieser Beitrag zeigt, welche Aufgaben ein Controller heute hat, wo die Grenzen zu anderen Funktionen liegen, welche Aufgaben rechtlich relevant sind und welche Kompetenzen 2026/2027 gefragt sind. Ein Quick-Check mit 14 Prüffragen und acht No-Regret-Maßnahmen helfen bei der Einordnung im eigenen Unternehmen.

Was ein Controller ist – und was nicht

Das Controller-Leitbild der IGC beschreibt Controller als „trusted partners of management“ und als „guardians of financial integrity“. Sie gestalten und begleiten den Prozess von Zielfindung, Planung und Steuerung. Der Internationale Controller Verein (ICV) beschreibt sie als „positiven Unruheherd“, der unermüdlich wirtschaftliche Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigt.

Für die Praxis zählt die Abgrenzung zu den Nachbarfunktionen:

Abgrenzung des Controllers zu Nachbarfunktionen
FunktionKernfrageAbgrenzung zum Controller
Buchhaltung und RechnungswesenWas ist geschehen, korrekt erfasst nach HGB, IFRS und Steuerrecht?Liefert die Daten; der Controller nutzt sie für Planung und Steuerung
ControllerWohin steuern wir, und sind wir auf Kurs?Plant, analysiert, warnt, berät
CFOWie finanzieren und verantworten wir das Ganze?Organmitglied oder Bereichsleitung mit Entscheidungsverantwortung; der Controller berichtet häufig an den CFO
Interne RevisionFunktionieren Prozesse und Kontrollen?Prüft unabhängig und rückblickend; der Controller ist Teil der Steuerung
ComplianceHalten wir Gesetze und Regeln ein?Eigene Funktion; der Controller liefert Daten, verantwortet aber nicht die Rechtstreue
RisikomanagementWelche Risiken bedrohen unsere Ziele?Enge Verzahnung; in kleineren Unternehmen oft beim Controller angesiedelt

Die Rolle der Controlling-Funktion im Unternehmen ist ein eigenes Thema: Rolle des Controllings. Die Aufgaben der Compliance-Funktion beschreibt der Beitrag Die Aufgaben eines Chief Compliance Officers.

Praxistipp: Schreiben Sie eine Stellenbeschreibung, die Aufgaben, Berichtsweg und Abgrenzung zu Buchhaltung, Revision und Compliance ausdrücklich festlegt. Das schafft Klarheit und schützt vor Überlastung. In vielen mittelständischen Unternehmen ist der Controller „Mädchen für alles“ zwischen Buchhaltung, Reporting, Kalkulation und IT-Administration; für Analyse und Beratung bleibt dann keine Zeit.

Die Kernaufgaben: Aufgaben des Controllers im Überblick

Die folgende Tabelle ordnet die Aufgabenfelder nach typischen Ergebnissen und Rhythmus. Die genaue Aufteilung hängt von Größe und Organisation des Unternehmens ab.

Kernaufgaben des Controllers mit Ergebnissen und Rhythmus
AufgabeTypische ErgebnisseRhythmus
Strategische Planung begleitenZielsystem, Mehrjahresplanung, SzenarienJährlich, bei Bedarf
Operative Planung und BudgetierungJahresbudget, Kostenstellenbudgets, InvestitionsplanJährlich
ForecastingRollierender Forecast für Ergebnis und LiquiditätMonatlich oder quartalsweise
BerichtswesenManagement-Report, Dashboards, Abweichungsanalysen mit MaßnahmenvorschlägenMonatlich
Kosten- und LeistungsrechnungKalkulationen, Deckungsbeiträge, PreisuntergrenzenLaufend
InvestitionscontrollingWirtschaftlichkeitsrechnungen, NachkalkulationAnlassbezogen
Liquiditätsplanung13-Wochen-Vorschau, 24-Monats-PlanungWöchentlich und monatlich
RisikocontrollingRisikoinventur, Frühwarnindikatoren, StresstestsQuartalsweise, bei Bedarf ad hoc
Projekt- und BereichscontrollingBudget-Ist-Vergleiche, WertbeitragLaufend
PersonalcontrollingPersonalkosten, Kapazitäten, Fluktuation, künftig EntgeltgefälleMonatlich, jährlich
NachhaltigkeitscontrollingESG-Kennzahlen, CO2-Daten, DatenqualitätQuartalsweise, jährlich
Systeme und DatenDatenmodell, Planungssoftware, Automatisierung, KI-AnwendungenLaufend

Praxistipp: Jeder Bericht sollte drei Fragen beantworten: Wo stehen wir? Warum? Was schlagen wir vor? Ein Bericht ohne Maßnahmenvorschlag ist eine Datensammlung, keine Controller-Leistung. Einen Überblick über die Werkzeuge gibt der Beitrag Instrumente im Controlling.

Aufgaben nach Unternehmensgröße

Aufgaben des Controllers nach Unternehmensgröße
UnternehmensgrößeTypische AufstellungSchwerpunkt der Aufgaben
KleinunternehmenGeschäftsführung, Steuerberater, gegebenenfalls Teilzeit-ControllerLiquiditätsplanung, Kalkulation, wenige Kennzahlen
MittelstandEin bis wenige Controller, oft beim kaufmännischen Leiter angesiedeltIntegrierte Planung, Reporting, Frühwarnung, Projekte
Großunternehmen und KonzerneControlling-Bereich mit Spezialisten (Konzern-, Vertriebs-, Produktions-, IT-, Personal-, ESG-Controlling)Business Partnering, Konzernsteuerung, IFRS, CSRD

Praxistipp: Im Mittelstand zählt Priorisierung. Beginnen Sie mit Liquiditätsplanung und Frühwarnung, weil hier die Pflichten der Geschäftsleitung liegen. Danach folgen Kalkulation und Reporting. Seminare dazu: Planung, Reporting und Kennzahlen.

Fristen und Zeitpunkte 2026/2027

Die Tabelle trennt geltendes Recht, Übergangsregeln und künftige Pflichten. Rechtsstand ist Oktober 2026. Bei laufenden Gesetzgebungsverfahren sind die Angaben bewusst monatsgenau gehalten.

Fristen und Zeitpunkte nach Rechtsstand
ThemaGeltend (Oktober 2026)ÜbergangKünftig
E-RechnungEmpfangspflicht für inländische Unternehmen seit 01.01.2025Sonstige Rechnungen bis 31.12.2026 zulässig; bis 31.12.2027 bei bis zu 800.000 EUR VorjahresumsatzAusstellungspflicht ab 01.01.2027 (über 800.000 EUR Vorjahresumsatz), ab 01.01.2028 für alle
Rechnungslegung IFRSIAS 1IFRS 18 freiwillig anwendbar (VO (EU) 2026/338)IFRS 18 verpflichtend für Geschäftsjahre ab 01.01.2027; Vergleichszahlen 2026 anzupassen
EntgelttransparenzEntgelttransparenzgesetz von 2017Umsetzungsfrist der Richtlinie (EU) 2023/970 am 07.06.2026 abgelaufen; Gesetzentwurf noch nicht vorgelegt; keine unmittelbare Wirkung gegenüber privaten ArbeitgebernNovelliertes Gesetz; Entgeltberichte nach Art. 9 der Richtlinie ab 250 und ab 150 Beschäftigten erstmals bis 07.06.2027, ab 100 Beschäftigten bis 07.06.2031
NachhaltigkeitsberichterstattungNichtfinanzielle Erklärung nach § 289b HGBCSRD-Umsetzungsgesetz noch nicht verabschiedet; Omnibus I (Richtlinie (EU) 2026/470) in KraftCSRD ab Geschäftsjahr 2027 nur über 1.000 Beschäftigte und 450 Mio. EUR Umsatz
KI-VerordnungArt. 4 (KI-Kompetenz) gilt–Hochrisiko-Pflichten nach Anhang III ab 02.12.2027

Die zeitlich unbefristeten Pflichten, etwa nach StaRUG, InsO, HGB und GmbHG, behandelt der nächste Abschnitt.

Pflichten nach Funktion: Wo der Controller der Geschäftsleitung zuarbeitet

Für Controller gibt es kein eigenes Berufsgesetz. Viele Pflichten der Geschäftsleitung sind aber ohne Controller nicht zu erfüllen. Der Controller trägt hier keine Organverantwortung, liefert aber die Grundlage.

Rechtliche Pflichten und Aufgaben des Controllers
RechtsgrundlageWas verlangt wirdWer trägt die PflichtAufgabe des Controllers
§ 1 Abs. 1 StaRUG; § 91 Abs. 2 AktGGeschäftsleiter „wachen fortlaufend über Entwicklungen, welche den Fortbestand der juristischen Person gefährden können“; bei Aktiengesellschaften zusätzlich ein ÜberwachungssystemGeschäftsleitungFrühwarnindikatoren, Schwellenwerte, Berichte an die Geschäftsleitung
§ 18 Abs. 2, § 19 Abs. 2, § 15a Abs. 1 InsOPrognosezeitraum für die drohende Zahlungsunfähigkeit „in aller Regel“ 24 Monate; Fortführungsprognose bei Überschuldung: die nächsten zwölf Monate; Insolvenzantrag spätestens drei bzw. sechs Wochen nach Eintritt der InsolvenzreifeGeschäftsleitungIntegrierte Ergebnis-, Bilanz- und Liquiditätsplanung über mindestens 24 Monate
§ 289 Abs. 1 Satz 4 HGB; § 267 HGBPrognosebericht im Lagebericht: voraussichtliche Entwicklung mit wesentlichen Chancen und Risiken; zugrunde liegende Annahmen sind anzugebenGeschäftsleitung, mit dem RechnungswesenPlanannahmen dokumentieren und mit dem Rechnungswesen abstimmen
§ 43 Abs. 1 GmbHGSorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes; die Business Judgement Rule schützt nur Entscheidungen auf angemessener InformationsgrundlageGeschäftsführerEntscheidungsvorlagen mit Alternativen, Annahmen und Risiken
§ 147 Abs. 3 AOBücher und Jahresabschlüsse zehn Jahre, Buchungsbelege acht Jahre, sonstige Unterlagen wie Handels- und Geschäftsbriefe sechs Jahre aufbewahrenUnternehmenArchiv- und Löschkonzepte für Controlling-Datenbanken und Planungssysteme mit der Buchhaltung abstimmen

Zum Lagebericht: Kleine Kapitalgesellschaften müssen keinen Lagebericht aufstellen. Die Größenklassen richten sich nach § 267 HGB: klein bis 7,5 Mio. EUR Bilanzsumme, 15 Mio. EUR Umsatz und 50 Arbeitnehmer, mittelgroß bis 25 Mio. EUR, 50 Mio. EUR und 250 Arbeitnehmer (jeweils zwei von drei Merkmalen).

Für Institute: In Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten gibt es zusätzlich die Risikocontrolling-Funktion nach MaRisk AT 4.4.1 mit eigenen Anforderungen (BaFin-Rundschreiben MaRisk). Einen Überblick zu den Geschäftsleiterpflichten gibt der Beitrag Regulatorik für Geschäftsführer.

Praxistipp: Dokumentieren Sie jede Warnung an die Geschäftsleitung mit Datum, Inhalt und Empfänger. Das macht nachvollziehbar, dass die Geschäftsleitung informiert war, und dient ihr als Nachweis zur Früherkennungspflicht.

Neue Aufgaben 2026/2027: E-Rechnung, IFRS 18, Entgelttransparenz, ESG und KI

E-Rechnung und IFRS 18

Seit dem 01.01.2025 müssen inländische Unternehmen E-Rechnungen empfangen können. Ab dem 01.01.2027 müssen Unternehmen mit mehr als 800.000 EUR Vorjahresumsatz für inländische B2B-Umsätze E-Rechnungen ausstellen, ab dem 01.01.2028 alle Unternehmen (Übergangsregeln in § 27 UStG, Einzelheiten in den BMF-FAQ zur E-Rechnung).

IFRS 18 ersetzt IAS 1 für Geschäftsjahre ab dem 01.01.2027. Der Standard verlangt feste Zwischensummen in der Gewinn- und Verlustrechnung. Vom Management definierte Leistungskennzahlen (Management-defined Performance Measures) müssen im Anhang erläutert werden. Weil IFRS 18 rückwirkend anzuwenden ist, sind die Vergleichszahlen für 2026 anzupassen.

Für den Controller bedeutet das: E-Rechnungen liefern strukturierte Daten, mit denen sich Kosten, Lieferanten und Zahlungsströme schneller und genauer auswerten und die Liquiditätsplanung verfeinern lassen. Bei IFRS 18 werden interne Steuerungskennzahlen, die das Unternehmen auch nach außen kommuniziert, offenlegungspflichtig. Definition, Berechnung und Überleitung müssen prüfungssicher sein.

Praxistipp: Erstellen Sie ein Kennzahlenhandbuch mit Definition, Datenquelle, Berechnung und Verantwortlichem für jede Steuerungskennzahl. Bei IFRS-Anwendern ist das die Grundlage für die Angaben zu Management-defined Performance Measures. Mehr dazu: KPI Power.

Personalcontrolling und Entgelttransparenz

In Deutschland gilt das Entgelttransparenzgesetz von 2017. Die Richtlinie (EU) 2023/970 hätte bis zum 07.06.2026 umgesetzt werden müssen. Das ist nicht geschehen. Nach Auskunft der Bundesregierung vom Juli 2026 laufen die Vorbereitungen für einen Gesetzentwurf. Gegenüber privaten Arbeitgebern wirkt die Richtlinie ohne Umsetzungsgesetz nicht unmittelbar.

Nach der Richtlinie müssen Arbeitgeber Berichte über das Entgeltgefälle zwischen Frauen und Männern vorlegen:

  • ab 250 Beschäftigten erstmals bis zum 07.06.2027, danach jährlich (Art. 9 Abs. 2),
  • mit 150 bis 249 Beschäftigten erstmals bis zum 07.06.2027, danach alle drei Jahre (Art. 9 Abs. 3),
  • mit 100 bis 149 Beschäftigten erstmals bis zum 07.06.2031, danach alle drei Jahre (Art. 9 Abs. 4).

Liegt der Unterschied in einer Gruppe von Beschäftigten bei mindestens 5 %, ist er nicht objektiv gerechtfertigt und wird er nicht innerhalb von sechs Monaten korrigiert, ist eine gemeinsame Entgeltbewertung mit der Arbeitnehmervertretung durchzuführen (Art. 10 Abs. 1). Wie Deutschland Fristen und Schwellen im Einzelnen umsetzt, steht noch nicht fest. Die Berichte setzen eine saubere Datenbasis voraus: Entgeltbestandteile, Stellenbewertung, Vergleichsgruppen. Diese Daten liegen meist verteilt in Personal-, Lohn- und Controlling-Systemen.

Praxistipp: Rechnen Sie das Entgeltgefälle schon heute einmal probeweise mit den vorhandenen Daten. So erkennen Sie Datenlücken und mögliche Abweichungen über 5 %, bevor die Berichtspflicht gilt. Beziehen Sie Personalabteilung und Betriebsrat früh ein.

Nachhaltigkeit: weniger Pflicht, weiter Datenbedarf

In Deutschland gilt weiterhin die nichtfinanzielle Erklärung nach § 289b HGB; das CSRD-Umsetzungsgesetz ist noch nicht verabschiedet. Nach Omnibus I sind ab dem Geschäftsjahr 2027 nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. EUR Umsatz nach der CSRD berichtspflichtig (Richtlinie (EU) 2026/470). Das IGC-Leitbild bleibt dennoch klar: Controller sollen nachhaltige Wertsteigerung durch verantwortungsvolles Handeln in Umwelt, Sozialem und Governance fördern. Banken, Großkunden und Investoren fragen ESG-Daten weiter an, etwa CO2-Emissionen oder Energieverbrauch.

Praxistipp: Begrenzen Sie ESG-Kennzahlen auf das, was Banken und Ihre wichtigsten Kunden tatsächlich anfragen, und integrieren Sie diese in das bestehende Berichtswesen statt in ein Parallelsystem.

KI im Arbeitsalltag des Controllers

Nach einer Gartner-Erhebung vom November 2025 nutzen 59 % der Finanzbereiche KI. Die Finance Key Issues Study 2026 der Hackett Group zeigt: In Planung und Forecasting setzen 19 % der Organisationen KI bereits skaliert ein, 22 % testen sie. Auf dem 50. Congress der Controller im April 2026 in München war „KI-Umsetzung im Controlling“ eines von drei Leitthemen.

Aufgaben, die KI unterstützt

  • Daten sammeln, abgleichen und plausibilisieren
  • Abweichungen erkennen und Kommentarentwürfe erstellen
  • Forecasts auf Basis vieler Einflussgrößen berechnen
  • Auffälligkeiten in Buchungen und Zahlungen markieren

Aufgaben, die beim Controller bleiben

  • Ergebnisse bewerten und plausibilisieren
  • Empfehlungen aussprechen und vertreten
  • Annahmen und Grenzen der Modelle offenlegen
  • Verantwortung für die Qualität der Entscheidungsgrundlage

Neu ist die Aufgabe, KI-Kosten zu steuern. Die Managementberatung Horváth empfiehlt, Kosten, Qualität, Risiken und Wertbeitrag je KI-Anwendung zu messen und KI wie ein Investitionsportfolio zu steuern. Das ist originäre Controller-Arbeit.

Rechtliche Leitplanken: Unternehmen müssen die KI-Kompetenz ihres Personals sicherstellen (Art. 4 KI-VO). KI-Systeme zur Leistungsbewertung von Beschäftigten gehören zu den Hochrisiko-Anwendungen (Anhang III Nr. 4 KI-VO); die Pflichten gelten ab dem 02.12.2027. Das betrifft insbesondere das Personalcontrolling. Wer KI-Ergebnisse ungeprüft in Entscheidungsvorlagen übernimmt, gefährdet zudem die angemessene Informationsgrundlage der Geschäftsleitung.

Praxistipp: Kennzeichnen Sie in Berichten, welche Analysen oder Prognosen KI-gestützt sind, und dokumentieren Sie, wie Sie die Ergebnisse geprüft haben. Qualifizierung zum Thema: Controlling mit ChatGPT und KI.

Pain Points: Wo die Controller-Arbeit in der Praxis hakt

Zu viele Rollen in einer Stelle

Buchhaltung, Reporting, Kalkulation und IT-Administration in einer Person lassen keinen Raum für Analyse und Beratung.

Bezug: IGC-Controller-Leitbild V4

Frühwarnung ohne Dokumentation

Indikatoren existieren, aber Schwellenwerte und Berichte an die Geschäftsleitung sind nicht festgehalten.

Bezug: § 1 Abs. 1 StaRUG

Planung kürzer als der Prognosezeitraum

Reicht die Planung nur bis zum Jahresende, fehlt die Grundlage für die 24-Monats-Prognose der drohenden Zahlungsunfähigkeit.

Bezug: § 18 Abs. 2 InsO; § 19 Abs. 2 InsO

Steuerungskennzahlen ohne Definition

Intern genutzte Kennzahlen, die extern kommuniziert werden, müssen künftig erläutert und übergeleitet werden können.

Bezug: IFRS 18; VO (EU) 2026/338

Entgeltdaten verteilt

Entgeltbestandteile, Stellenbewertung und Vergleichsgruppen liegen in verschiedenen Systemen und sind nicht abgestimmt.

Bezug: Art. 9 und 10 Richtlinie (EU) 2023/970

KI ohne Kennzeichnung und Schulung

KI-gestützte Analysen fließen ungeprüft in Entscheidungsvorlagen, ohne dass Nutzer geschult sind.

Bezug: Art. 4 KI-VO

Quick-Check: Sind die Aufgaben Ihres Controllers zeitgemäß aufgestellt?

Gehen Sie die 14 Prüffelder durch. Jede Zeile nennt die Prüffrage, die Fundstelle und den Befund, der Handlungsbedarf anzeigt.

Quick-Check mit 14 Prüffeldern
PrüffeldPrüffrageFundstelleHandlungsbedarf
Stelle und RolleGibt es eine Stellenbeschreibung mit Abgrenzung zu Buchhaltung, Revision und Compliance?IGC-Controller-Leitbild V4Offen, wenn Aufgaben und Berichtsweg nur mündlich geregelt sind
KrisenfrüherkennungLiefert der Controller Frühwarnindikatoren mit Schwellenwerten und dokumentierten Berichten an die Geschäftsleitung?§ 1 Abs. 1 StaRUG; § 91 Abs. 2 AktGOffen, wenn Warnungen nicht mit Datum und Empfänger festgehalten werden
PlanungshorizontGibt es eine integrierte Planung über mindestens 24 Monate?§ 18 Abs. 2 InsOOffen, wenn nur ein Jahresbudget ohne Liquiditätsplanung besteht
FortführungsprognoseIst eine Fortführungsprognose über zwölf Monate belegbar?§ 19 Abs. 2 InsOOffen, wenn Annahmen nicht nachvollziehbar dokumentiert sind
PrognoseberichtSind Planannahmen für den Prognosebericht dokumentiert?§ 289 Abs. 1 Satz 4 HGB; § 267 HGBOffen, wenn Controlling und Rechnungswesen die Annahmen getrennt führen
AufbewahrungSind Archiv- und Löschfristen für Controlling-Daten geregelt?§ 147 Abs. 3 AOOffen, wenn Planungssysteme in der Löschplanung fehlen
E-RechnungWerden E-Rechnungsdaten ab 2027 im Controlling genutzt?§ 27 UStG; BMF-FAQ E-RechnungOffen, wenn die Daten nicht ins Berichtswesen fließen
IFRS 18IFRS-Anwender: Gibt es ein Kennzahlenhandbuch für Management-defined Performance Measures?IFRS 18; VO (EU) 2026/338Offen, wenn Definitionen und Überleitungen fehlen
EntgeltberichteIst die Datenbasis für Entgeltberichte vorbereitet und eine Proberechnung erfolgt?Art. 9 und 10 Richtlinie (EU) 2023/970; EntgelttransparenzgesetzOffen, wenn keine Proberechnung vorliegt
NachhaltigkeitsdatenIst die CSRD-Betroffenheit geprüft und die ESG-Datenbasis für Banken und Kunden gesichert?Richtlinie (EU) 2026/470; § 289b HGBOffen, wenn Anfragen einzeln und ohne Standard beantwortet werden
KI-KompetenzSind KI-Anwendungen im Controlling erfasst, Nutzer geschult und KI-Ergebnisse gekennzeichnet?Art. 4 KI-VOOffen, wenn keine Anwendungsliste und keine Schulung bestehen
KI im PersonalcontrollingWerden KI-Systeme zur Leistungsbewertung eingesetzt?Anhang III Nr. 4 KI-VO (ab 02.12.2027)Offen, wenn der Einsatz nicht auf Hochrisiko-Pflichten geprüft wurde
KI-KostenWerden KI-Kosten und -Nutzen je Anwendung gemessen?Interne SteuerungOffen, wenn KI-Kosten nur als Sammelposten erscheinen
QualifizierungGibt es einen Weiterbildungsplan für Daten-, KI- und Kommunikationskompetenz?Interne PersonalentwicklungOffen, wenn keine jährlichen Ziele je Controller vereinbart sind

Lösungsansätze: No-Regret-Maßnahmen und Kompetenzen

Die folgenden acht Maßnahmen lohnen sich unabhängig davon, wie die offenen Gesetzgebungsverfahren ausgehen.

1. Stellenbeschreibung schärfen

Aufgaben, Berichtsweg und Abgrenzung zu Buchhaltung, Revision und Compliance schriftlich festlegen, dazu einen Kalender der Controlling-Aufgaben (Planung, Forecast, Reporting).

2. Frühwarnung und Liquidität absichern

Frühwarnindikatoren mit Ampel, dokumentierte Warnungen, 13-Wochen- und 24-Monats-Liquiditätsplanung aufsetzen.

3. Kennzahlenhandbuch anlegen

Definition, Datenquelle, Berechnung und Verantwortlicher je Steuerungskennzahl; bei IFRS-Anwendern Grundlage für die IFRS-18-Umstellung.

4. E-Rechnungsdaten einplanen

Strukturierte Rechnungsdaten im Berichtswesen und in der Liquiditätsplanung nutzen, bevor die Ausstellungspflicht ab 2027 greift.

5. Entgeltgefälle probeweise rechnen

Mit vorhandenen Daten eine Proberechnung erstellen, Datenlücken schließen, Personalabteilung und Betriebsrat früh einbinden.

6. ESG-Kennzahlen begrenzen

Nur erheben, was Banken und wichtige Kunden anfragen, und in das bestehende Berichtswesen integrieren.

7. KI ordnen

Anwendungsliste führen, Nutzer schulen, KI-gestützte Analysen kennzeichnen, Kosten und Nutzen je Anwendung messen.

8. Weiterbildung planen

Pro Controller und Jahr mindestens ein Weiterbildungsziel im Bereich Daten und KI und eines im Bereich Kommunikation oder Geschäftsverständnis.

Kompetenzen und Fachkräftemangel

Der ICV beschreibt im DREAM-CAR-Bericht 2025/2026: Offene Stellen bleiben unbesetzt, das Durchschnittsalter in vielen Teams steigt, der Bedarf an daten- und KI-affinen Kompetenzen wächst. Laut Hackett Group nennen 77 % der Finanzbereiche fehlende KI-Fachkräfte als Hürde. Auf dem Congress der Controller wurde die Veränderungsfähigkeit der Organisation als zentrale Kernkompetenz einer zukunftssicheren Finanzfunktion hervorgehoben.

Kompetenzfelder des Controllers
KompetenzfeldInhalte
FachwissenPlanung, Kostenrechnung, Bilanz, Finanzierung, Steuer- und Rechnungslegungsgrundlagen
Daten- und KI-KompetenzDatenmodelle, Datenqualität, Planungs- und BI-Software, KI-Werkzeuge
GeschäftsverständnisGeschäftsmodell, Wertschöpfung, Markt- und Wettbewerbssituation
KommunikationKomplexes einfach erklären, Empfehlungen vertreten
HaltungUnabhängigkeit, Integrität, Mut zu unbequemen Botschaften
VeränderungskompetenzNeue Prozesse und Werkzeuge einführen, Fachbereiche mitnehmen

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Fazit: Was die Aufgaben des Controllers 2027 ausmacht

Der Controller ist Partner des Managements, nicht Buchhalter, Prüfer oder Compliance-Beauftragter. Die Aufgaben des Controllers bleiben im Kern Planung, Forecast, Reporting, Kalkulation und Beratung. Neu und wichtiger werden 2026/2027 die Krisenfrüherkennung, die Nutzung strukturierter E-Rechnungsdaten, prüfungssichere Kennzahlen nach IFRS 18, die Datenbasis für Entgeltberichte sowie die Steuerung von KI-Anwendungen und ihrer Kosten.

Kernbotschaften

  • Controller bereiten Entscheidungen vor; die Verantwortung bleibt bei der Geschäftsleitung.
  • Viele Pflichten der Geschäftsleitung aus StaRUG, InsO, HGB und GmbHG sind ohne Controlling-Daten nicht zu erfüllen.
  • E-Rechnung und IFRS 18 gelten ab 2027; bei der Entgelttransparenz steht das deutsche Gesetz noch aus.
  • KI verändert die Arbeit, ersetzt aber nicht Bewertung, Empfehlung und Verantwortung.

Wer seine Controller von Routinearbeit entlastet und in Entscheidungen einbindet, gewinnt Steuerungsqualität und erfüllt zugleich zentrale Pflichten der Geschäftsleitung.

Häufige Fragen zu den Aufgaben des Controllers

Was sind die wichtigsten Aufgaben eines Controllers?+–

Planung und Budgetierung, Forecasting, Berichtswesen mit Abweichungsanalysen, Kosten- und Leistungsrechnung, Investitions- und Liquiditätscontrolling sowie die Beratung der Geschäftsleitung.

Ist der Controller für die Buchhaltung zuständig?+–

Nein. Die Buchhaltung erfasst Geschäftsvorfälle. Der Controller nutzt diese Daten für Planung, Analyse und Steuerung. In kleinen Unternehmen werden beide Aufgaben allerdings oft von denselben Personen erledigt.

Haftet der Controller für falsche Zahlen?+–

Die Organhaftung trifft die Geschäftsleitung. Der Controller haftet als Arbeitnehmer nach den Grundsätzen der Arbeitnehmerhaftung. Eine sorgfältige Dokumentation von Annahmen und Warnungen schafft Nachvollziehbarkeit für beide Seiten.

Was unterscheidet einen Controller von einem CFO?+–

Der CFO verantwortet den gesamten Finanzbereich und trifft Entscheidungen. Der Controller bereitet Entscheidungen vor und berät. Das Controlling ist ein möglicher Karriereweg zum CFO.

Ersetzt KI den Controller?+–

Nein. KI übernimmt Datensammlung und Standardanalysen. Bewertung, Empfehlung und Verantwortung für die Qualität der Entscheidungsgrundlage bleiben beim Menschen.

Gilt die Entgelttransparenzrichtlinie schon?+–

Gegenüber privaten Arbeitgebern noch nicht unmittelbar. Die Umsetzungsfrist ist am 07.06.2026 abgelaufen, ein deutsches Umsetzungsgesetz liegt nicht vor. Bis dahin gilt das Entgelttransparenzgesetz von 2017.

Quellenverzeichnis

Primärquellen zuerst: EU-Rechtsakte, Gesetze des Bundes, Bundesministerium und Bundestag, danach Aufsichts- und Landesbehörden. Die Seiten wurden zuletzt am 16.10.2026 geprüft. Angaben der Verbände und Studien (IGC, ICV, Hackett Group, Gartner, Horváth) sind im Text genannt und nicht verlinkt.

  • Richtlinie (EU) 2023/970 (Entgelttransparenz), Art. 9 und 10 – Berichtspflichten zum Entgeltgefälle und gemeinsame Entgeltbewertung. Zur Quelle
  • Verordnung (EU) 2026/338 (IFRS 18) – Übernahme von IFRS 18 in EU-Recht; verpflichtend für Geschäftsjahre ab 01.01.2027. Zur Quelle
  • Richtlinie (EU) 2026/470 (Omnibus I) – Neue Schwellen der CSRD-Berichtspflicht. Zur Quelle
  • KI-Verordnung, Art. 4 (EU-Kommission, AI Act Service Desk) – Pflicht zur KI-Kompetenz. Zur Quelle
  • KI-Verordnung, Anhang III (EU-Kommission, AI Act Service Desk) – Hochrisiko-Anwendungen, Nr. 4 Beschäftigung und Leistungsbewertung. Zur Quelle
  • § 1 StaRUG – Fortlaufende Überwachung bestandsgefährdender Entwicklungen. Zur Quelle
  • § 91 AktG – Überwachungssystem bei Aktiengesellschaften. Zur Quelle
  • § 43 GmbHG – Sorgfaltspflicht des Geschäftsführers. Zur Quelle
  • § 15a InsO – Insolvenzantragspflicht und Antragsfristen. Zur Quelle
  • § 18 InsO – Drohende Zahlungsunfähigkeit, Prognosezeitraum von 24 Monaten. Zur Quelle
  • § 19 InsO – Überschuldung, Fortführungsprognose über zwölf Monate. Zur Quelle
  • § 289 HGB – Inhalt des Lageberichts, Prognosebericht. Zur Quelle
  • § 267 HGB – Größenklassen von Kapitalgesellschaften. Zur Quelle
  • § 289b HGB – Nichtfinanzielle Erklärung. Zur Quelle
  • § 147 AO – Aufbewahrungsfristen für Bücher, Belege und Geschäftsbriefe. Zur Quelle
  • Bundesfinanzministerium, FAQ E-Rechnung – Übergangsregeln und Anwendungsfragen zur E-Rechnung. Zur Quelle
  • Deutscher Bundestag, hib-Kurzmeldung zur Entgelttransparenz – Stand der Vorbereitungen zum Gesetzentwurf (Juli 2026). Zur Quelle
  • Bayerisches Landesamt für Steuern, E-Rechnung – Ausstellungspflicht ab 01.01.2027 und 01.01.2028. Zur Quelle
  • BaFin, MaRisk-Rundschreiben – Risikocontrolling-Funktion nach AT 4.4.1 für Institute. Zur Quelle

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Achim Schulz
Über den Autor

Achim Schulz

Geschäftsführer S+P Compliance & S+P Unternehmerforum · langjährige Vorstands- & Geschäftsführungserfahrung

Achim Schulz kennt die Führungsebene aus eigener Verantwortung – langjährig als Vorstand bei Banken und Geschäftsführer sowie als Interim-Manager in Industrieunternehmen. Diese Doppelperspektive aus Finanzsektor und Realwirtschaft prägt seine Beiträge für CEO, COO und CFO. Er kennt das Zusammenspiel von Geschäftsleitung, Aufsichtsrat und Gesellschaftern aus der Praxis und übersetzt strategische wie aufsichtsrechtliche Anforderungen in umsetzbare, haftungssichere Führungsentscheidungen – praxisnah und auf Augenhöhe mit dem Management.

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