Das Unternehmen: Die TechPart GmbH, ein mittelständischer Automobilzulieferer mit 150 Mitarbeitern und 35 Mio. Euro Jahresumsatz.
Die Ausgangssituation: Das Unternehmen wuchs in den vergangenen Jahren stetig. Die Geschäftsführung steuerte das Unternehmen hauptsächlich anhand der monatlichen Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) des Steuerberaters. Es gab ein rudimentäres Controlling, jedoch keine systematische, zukunftsorientierte Risikoüberwachung. Durch volatile Rohstoffpreise und stockende Lieferketten geriet die Marge zunehmend unter Druck.
Die Herausforderung (StaRUG-Pflicht): Mit der Einführung des StaRUG wurde der Geschäftsführung bewusst, dass der reine Blick in den Rückspiegel (BWA) gesetzlich nicht mehr ausreicht und im Krisenfall zur persönlichen Haftung führen kann. Es musste ein Risiko-Frühwarnsystem etabliert werden, das bestandsgefährdende Entwicklungen frühzeitig erkennt, ohne die internen Ressourcen zu überlasten.
Die Umsetzung: Die TechPart GmbH baute das Risikomanagement in drei konkreten Schritten um:
-
Risikoinventur & Matrix: In einem Workshop mit den Abteilungsleitern (Einkauf, Vertrieb, Produktion) wurden die größten Risiken identifiziert (z. B. Ausfall des Hauptlieferanten für Aluminium, plötzlicher Nachfrageeinbruch bei Verbrennermotoren). Diese wurden in einer Risikomatrix nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe bewertet.
-
Rollierende Liquiditätsplanung: Es wurde ein Tool eingeführt, das nicht nur Umsätze und Kosten plant, sondern die tatsächlichen Zahlungsströme (Ein- und Auszahlungen) für die kommenden 13 Wochen detailliert und für die kommenden 12 Monate grob abbildet.
-
Schwellenwerte (Rote Flaggen): Für kritische Kennzahlen wurden Limits definiert. So wurde etwa festgelegt: Wenn die erwartete Liquidität in Monat X unter 500.000 Euro fällt, wird sofort eine Meldung an die Geschäftsführung ausgelöst.
Das Ergebnis und der Nutzen: Neun Monate nach der Implementierung meldete das System einen Alarm: Durch die Kombination aus einer angekündigten Preiserhöhung beim Hauptlieferanten und dem verzögerten Zahlungseingang eines Großkunden drohte in fünf Monaten eine ernsthafte Liquiditätslücke.
Da die Geschäftsführung diese drohende Zahlungsunfähigkeit nicht erst Wochen vorher bemerkte, konnte sie proaktiv handeln. Sie verhandelte die Zahlungsziele mit dem Kunden nach und erweiterte frühzeitig und ohne Druck die Kontokorrentlinie bei der Hausbank. Das Unternehmen sicherte nicht nur seine Liquidität, sondern verbesserte durch die professionellen Planungsunterlagen sogar sein Rating bei der Bank. Gleichzeitig hat die Geschäftsführung ihre gesetzlichen Pflichten nach § 1 StaRUG rechtssicher erfüllt und dokumentiert.