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Fachbeitrag · Executive Education · C-Level

Die Aufgaben eines COO: Was dich 2026/2027 erwartet

  • Autor: Achim Schulz
  • Rechtsstand: Oktober 2026
  • Lesezeit: ca. 16 Minuten

Die Aufgaben eines COO reichen von der Steuerung der Tagesprozesse bis zur regelkonformen Umsetzung der Strategie. 2026/2027 kommt eine zweite Seite hinzu: Ein großer Teil der neuen gesetzlichen Pflichten landet im operativen Bereich. Dieser Beitrag ordnet ein, was dein Ressort betrifft und was du jetzt in die Planung aufnehmen solltest.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Management Summary: Die Aufgaben eines COO auf einen Blick

Als Chief Operating Officer (COO) übersetzt du die Strategie in Prozesse, Teams und Kennzahlen. Das bleibt der Kern der Rolle. „COO“ ist jedoch eine Funktionsbezeichnung und kein gesetzlicher Begriff. Rechtlich entscheidend ist, ob du Organmitglied bist (Geschäftsführer einer GmbH, Vorstandsmitglied einer AG) oder leitender Angestellter.

Als Organmitglied haftest du der Gesellschaft nach § 43 GmbHG bzw. § 93 AktG. Eine Ressortverteilung entlastet nur, wenn die Aufgaben klar abgegrenzt sind, alle Geschäftsleiter sie mittragen und die Zuständigen geeignet sind. Die Überwachungspflicht für die anderen Ressorts bleibt bestehen.

Neu ist die Dichte der Pflichten im operativen Bereich: Cybersicherheit nach dem neuen BSIG, Meldepflichten für Produkte mit digitalen Elementen seit dem 11.09.2026, die Entwaldungsverordnung (EUDR) ab dem 30.12.2026, die Maschinenverordnung ab dem 20.01.2027 und der Mindestlohn von 14,60 € ab dem 01.01.2027.

Der Beitrag zeigt, welche Aufgaben ein COO hat, wie er sich von CEO und CFO abgrenzt, wann du persönlich haftest und welche Änderungen du jetzt einplanen solltest. Ein Quick-Check und eine 90-Tage-Checkliste helfen dir, deinen eigenen Stand einzuordnen.

Was ist ein COO und welche rechtliche Stellung hat er?

GmbHG · AktG · BGH

COO als Organmitglied

Du haftest der Gesellschaft für die Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns bzw. Geschäftsleiters (§ 43 Abs. 1, 2 GmbHG; § 93 Abs. 1, 2 AktG). Eine Ressortverteilung entlastet nur, wenn die Aufgaben klar und eindeutig abgegrenzt sind, alle Geschäftsführer die Aufteilung mittragen und die Zuständigen fachlich und persönlich geeignet sind. Die Gesamtverantwortung bleibt, für die anderen Ressorts besteht eine Überwachungspflicht. Schriftform ist nicht zwingend, aber dringend zu empfehlen (BGH, 06.11.2018, II ZR 11/17, BGHZ 220, 162).

BetrVG · OWiG · StGB

COO als leitender Angestellter

Für dich gelten grundsätzlich die Regeln der Arbeitnehmerhaftung (zum Begriff § 5 Abs. 3 BetrVG). Ordnungswidrigkeiten- und strafrechtlich kannst du aber als Person verantwortlich sein, die beauftragt ist, den Betrieb ganz oder zum Teil zu leiten (§ 9 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 OWiG, § 14 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 StGB).

OWiG

Aufsichtspflicht

Wer als Inhaber oder Leitungsperson die erforderlichen Aufsichtsmaßnahmen unterlässt, handelt ordnungswidrig (§ 130 OWiG). Gegen das Unternehmen kann zusätzlich eine Verbandsgeldbuße verhängt werden (§ 30 OWiG).

ArbSchG

Arbeitsschutz

Arbeitgeberpflichten kannst du schriftlich auf zuverlässige und fachkundige Personen übertragen (§ 13 Abs. 2 ArbSchG). Die Pflicht zur Auswahl und Kontrolle bleibt beim Delegierenden.

Praxis-Tipp: Lass dir dein Ressort in der Geschäftsordnung schriftlich zuweisen. Delegationen im Operations-Bereich (Arbeitsschutz, Umwelt, Produktsicherheit, IT-Sicherheit) solltest du in einer Delegationsmatrix mit Berichtsweg dokumentieren.

Mehr zur Einordnung der Geschäftsleitung findest du im Beitrag Regulatorik für Geschäftsführer: Pflichten, Haftung und Aufsicht.

Die Aufgaben eines COO im Überblick: Was macht ein COO?

Die Tabelle zeigt die Kernaufgaben und je ein Praxisbeispiel. Wenn du Verbesserungen bewerten willst, miss sie mit eigenen Daten vor und nach der Änderung, statt pauschale Effekte anzunehmen.

AufgabenbereichInhaltPraxisbeispiel
Operatives GeschäftSteuerung der TagesprozesseLiefertreue und Durchlaufzeiten wöchentlich im Operations-Review
ProzessoptimierungAnalyse und Verbesserung von AbläufenEnde-zu-Ende-Prozesslandkarte mit Verantwortlichen und Schnittstellen
RessourcenmanagementPersonal, Budget, KapazitätenKapazitätsplanung inklusive Mindestlohnanpassung 2027
ProjektsteuerungUmsetzung strategischer InitiativenPortfolio-Board mit klaren Stop- und Go-Kriterien
QualitätsmanagementStandards einführen und kontrollierenReklamationsquote und Fehlerkosten als feste KPIs
Controlling und KPIsMaßnahmen aus Zahlen ableitenAbgestimmte KPI-Definitionen mit dem CFO
TeamführungFührungskräfteentwicklung, OrganisationNachfolgeplanung für Schlüsselfunktionen
Technologie und ITSysteme auswählen und einführenERP-Einführung mit Risikoanalyse nach § 30 BSIG (soweit NIS2-pflichtig)
Lieferkette und EinkaufLieferanten steuern, Risiken managenRisikoanalyse nach LkSG, EUDR-Sorgfaltserklärungen
Operations-ComplianceGesetzliche Pflichten im operativen BereichPflichtenkataster mit Fristen 2026/2027 (siehe Abschnitt „Neue Pflichten“)

Kurz gesagt: COO = operative Exzellenz + strategische Umsetzung. Diese Formel beschreibt die Doppelrolle. Ein COO senkt Kosten, indem er Abläufe standardisiert und Engpässe früh sichtbar macht. Halbherzige Digitalisierung erhöht die Prozesskosten spürbar, etwa durch Medienbrüche und doppelte Datenpflege. Ein ungeeignetes ERP-System verursacht laufende Zusatzkosten und erschwert gesetzliche Umstellungen wie die E-Rechnung ab 2027.

Abgrenzung des COO zu CEO, CFO und weiteren C-Level-Rollen

Strategie

CEO

Er verantwortet Vision und Strategie, die Außenvertretung und die Beziehungen zu Investoren und Aufsichtsgremien. Leitfrage: „Wo wollen wir hin?“

Finanzen

CFO

Er verantwortet die Finanzierung, Controlling, Liquidität und die Einhaltung von Finanz- und Bilanzvorschriften. Leitfrage: „Haben wir die Mittel dafür?“

Operations

COO

Er verantwortet die operative Umsetzung, die Prozesse und Ressourcen sowie häufig Einkauf, Produktion und Logistik. Leitfrage: „Wie setzen wir es effizient und regelkonform um?“

Das Risikomanagement ist nicht allein Sache des CFO. In Unternehmen mit eigener Risikofunktion liegt es beim CRO. Für operative Risiken sind die COO-Ressorts zuständig („erste Verteidigungslinie“). Compliance (CCO) und Personal (CHRO) sind in größeren Häusern eigene Rollen. Ob „Personal“ zum COO gehört, hängt vom Geschäftsverteilungsplan ab.

Institute: Ist der COO Geschäftsleiter, gelten die Anforderungen an die fachliche Eignung. Für Auslagerungen gilt MaRisk AT 9. IKT-Dienstleistungen fallen nach den Erläuterungen zu AT 9 Tz. 1 nicht unter AT 9, sondern unter das IKT-Drittparteienrisikomanagement nach Art. 28 bis 30 DORA.

Praxis-Tipp: Grenze CEO, CFO und COO in einer RACI-Tabelle für zehn zentrale Entscheidungen ab, zum Beispiel Investitionen, Lieferantenwechsel, IT-Sicherheitsvorfälle, Personalabbau und Produktrückrufe.

Branchen: Wo der COO besonders gefragt ist

Produzierende Unternehmen

Supply Chain, Produktion und Qualität. Neu sind die Maschinenverordnung, gegebenenfalls der CRA bei vernetzten Produkten und die EUDR bei relevanten Rohstoffen.

Tech- und SaaS-Unternehmen

Skalierbare Prozesse und Infrastruktur. Neu sind NIS2 (je nach Sektor und Größe) und die CRA-Meldepflichten.

Dienstleistungsunternehmen

Servicequalität und Personaleinsatz. Neu sind der Mindestlohn 2027, die Arbeitszeiterfassung und die Entgelttransparenz.

Private-Equity-Portfoliounternehmen

Professionalisierung bis zum Exit. Hier zählt die Compliance-Due-Diligence im operativen Bereich.

Finanzinstitute

Oft ist der COO dort Geschäftsleiter. Er verantwortet Auslagerungen (MaRisk AT 9), IKT-Drittparteien (DORA) und die Geschäftsorganisation.

Die Gesamteinordnung der drei Rollen findest du im Beitrag CEO, COO und CFO, die Compliance-Seite im Beitrag Die Aufgaben eines Chief Compliance Officers.

Neue Pflichten im Operations-Bereich 2026/2027: Fristen im Überblick

Die folgenden Tabellen trennen geltendes und künftiges Recht. Fristen und Verfahrensstände sind zum Rechtsstand Oktober 2026 dargestellt; laufende Gesetzgebungsverfahren können sich ändern.

Bereits geltend

ThemaWas giltWas du tun solltest
NIS2 / BSIGSeit 06.12.2025 gilt das neue BSIG für besonders wichtige und wichtige Einrichtungen. Die Geschäftsleitung muss die Risikomanagementmaßnahmen nach § 30 BSIG umsetzen und überwachen, haftet nach Gesellschaftsrecht und muss regelmäßig an Schulungen teilnehmen (§ 38 Abs. 1 bis 3 BSIG).Betroffenheit prüfen, Registrierung nachweisen, Maßnahmenplan nach § 30 BSIG erstellen, Schulungsnachweise sammeln
Cyber Resilience Act (VO (EU) 2024/2847)Seit 11.09.2026 melden Hersteller aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle bei Produkten mit digitalen Elementen (Art. 14). Die übrigen Pflichten gelten ab 11.12.2027.Prüfen, ob das Unternehmen Hersteller ist; Meldeprozess und Zuständigkeit für die ENISA-Meldeplattform festlegen
MindestlohnSeit 01.01.2026 13,90 €, ab 01.01.2027 14,60 € brutto je Stunde (MiLoV5, BGBl. 2025 I Nr. 268).Personalbudget 2027, Minijobs und Dienstleisterverträge anpassen
ArbeitszeiterfassungDie Pflicht zur Erfassung besteht seit dem Beschluss des BAG vom 13.09.2022 (1 ABR 22/21).Erfassungssystem prüfen; die gesetzliche Reform ist noch offen (siehe unten)
Ökodesign (VO (EU) 2024/1781)Seit 19.07.2026 dürfen große Unternehmen unverkaufte Kleidung, Schuhe und bestimmte Accessoires grundsätzlich nicht mehr vernichten.Retouren- und Restwarenprozesse anpassen; Ausnahmen dokumentieren
KI-VerordnungDurch die Digital-Omnibus-Verordnung (EU) 2026/1744 ist Art. 4 seit 27.07.2026 eine Förderpflicht. Hochrisiko-KI nach Anhang III gilt ab 02.12.2027.Bestand an KI-Anwendungen in Produktion, Disposition und Personal erfassen
LkSGDie Sorgfaltspflichten (§§ 3 ff.) gelten weiter. Die BAFA prüft keine Berichte mehr.Risikoanalyse und Beschwerdeverfahren fortführen

Künftig oder noch offen

ThemaStand Oktober 2026Bedeutung für dich
EUDR (VO (EU) 2023/1115)Anwendung ab 30.12.2026 für mittlere und große Unternehmen, ab 30.06.2027 für Kleinst- und Kleinunternehmen. Der Produktumfang wurde angepasst.Sorgfaltserklärungen, Geolokalisierungsdaten der Lieferanten, Rollen im Einkauf
Maschinenverordnung (VO (EU) 2023/1230)Gilt ab 20.01.2027 und löst die Maschinenrichtlinie ab.Konformitätsbewertung, Cybersicherheit von Steuerungen, KI-Lernphase in der Risikobeurteilung
E-RechnungAusstellungspflicht ab 01.01.2027 für Unternehmen mit mehr als 800.000 € Vorjahresumsatz, für alle ab 01.01.2028.ERP- und Rechnungsprozess gemeinsam mit dem CFO umstellen
Neues ProdukthaftungsgesetzDie Richtlinie (EU) 2024/2853 ist bis zum 09.12.2026 umzusetzen. Nach unserem Stand hat der Bundestag das Gesetz im Oktober 2026 beschlossen; der Bundesrat steht aus.Software und KI als Produkt; Haftungsrisiken bei Updates
Entgelttransparenz (RL (EU) 2023/970)Die Umsetzungsfrist ist am 07.06.2026 abgelaufen. Ein deutsches Umsetzungsgesetz ist noch nicht in Kraft; bis dahin gilt das EntgTranspG.Entgeltstrukturen und Stellenbewertung vorbereiten
ArbeitszeitgesetzReferentenentwurf (Juni 2026) mit elektronischer Erfassung am selben Tag und Übergangsfristen; nicht beschlossen.Systemauswahl so treffen, dass eine elektronische Erfassung künftig möglich ist
LkSG-ÄnderungDer Regierungsentwurf (Wegfall der Berichtspflicht, Bußgelder nur noch bei schweren Verstößen) ist nach unserem Stand nicht verabschiedet.Gesetzgebungsstand beobachten, Risikoanalyse unverändert fortführen

Praxis-Tipp: Führe ein Pflichtenkataster mit Norm, Frist, Verantwortlichem, Nachweis und Status. Es ist ein zentrales Werkzeug, um deine Ressortverantwortung nachzuweisen.

Vertiefung zu NIS2, DORA und CRA: DORA, NIS-2 und CRA: Governance für die Geschäftsleitung. Schulungsangebote: DORA- und NIS-2-Seminare.

KPIs und KRIs: Steuern mit Leistungs- und Risikokennzahlen

Leistung

Leistungskennzahlen (KPIs)

Liefertreue, OEE (Gesamtanlageneffektivität), Durchlaufzeit, Fehler- und Reklamationsquote, Kosten je Einheit, Bestandsreichweite.

Risiko

Risikokennzahlen (KRIs)

Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten, Anteil kritischer Lieferanten ohne aktuelle Risikoanalyse, offene IT-Sicherheitsfeststellungen, Anzahl meldepflichtiger Vorfälle, Fluktuation in Schlüsselfunktionen.

Compliance

Gesetzliche Pflichten

Mach Pflichten als Kennzahl sichtbar, etwa Fristen im Pflichtenkataster oder den Anteil erledigter Schulungsnachweise nach § 38 Abs. 3 BSIG.

Praxis-Tipp: Lege für jede KRI eine Ampel mit Schwellenwert, eine Eskalationsstufe und einen Verantwortlichen fest. Ohne Schwellenwert bleibt eine Kennzahl reine Beobachtung.

Weiterführende Methoden findest du im Programm Planung, Reporting und Kennzahlen.

Typische Schwachstellen im Ressort mit Normbezug

§ 43 GmbHG · § 93 AktG · BGH II ZR 11/17

Ressort nur mündlich verteilt

Ohne klare Abgrenzung und Rückhalt im Gesamtorgan entlastet die Aufteilung nicht. Die Überwachungspflicht für andere Ressorts bleibt in jedem Fall.

§ 130 OWiG · § 13 Abs. 2 ArbSchG

Delegation ohne Kontrolle

Übertragene Pflichten verlangen Auswahl und Kontrolle. Fehlt der Berichtsweg, steht im Ernstfall die Aufsichtspflicht im Raum.

§ 30 BSIG · § 38 BSIG

NIS2-Betroffenheit nicht geprüft

Die Geschäftsleitung muss Maßnahmen umsetzen, überwachen und sich schulen lassen. Eine ungeprüfte Betroffenheit ist die häufigste Lücke am Anfang.

Art. 14 CRA

Kein Meldeweg für Produktschwachstellen

Seit 11.09.2026 gelten Meldepflichten für Hersteller. Ohne Zuständigkeit und Prozess sind Fristen kaum zu halten.

EUDR · LkSG

Lieferantendaten unvollständig

Sorgfaltserklärungen und Geolokalisierungsdaten hängen an der Datenqualität im Einkauf, Risikoanalysen an aktuellen Lieferantenstammdaten.

MiLoV5 · BAG 1 ABR 22/21

Personalbudget und Zeiterfassung

Der Mindestlohn steigt zum 01.01.2027, Dienstleisterverträge laufen oft mit festen Sätzen. Die Zeiterfassung muss belastbar sein.

Quick-Check: Wo stehst du als COO?

Ordne dich pro Zeile ein. Du erhältst jeweils eine Empfehlung. Die Auswahl bleibt auf deinem Gerät, es wird nichts übertragen.

1. Ressort: Ist dein Ressort schriftlich zugewiesen und von allen Geschäftsleitern mitgetragen? (§ 43 GmbHG, § 93 AktG, BGH II ZR 11/17)
Erfüllt: Prüfe, ob auch die Überwachung der anderen Ressorts geregelt ist.
Teilweise: Lass die Zuständigkeiten abgrenzen und im Gesamtorgan bestätigen.
Offen: Veranlasse zeitnah eine schriftliche Zuweisung in der Geschäftsordnung. Die Gesamtverantwortung bleibt auch ohne Regelung bestehen.
2. Delegation: Sind Delegationen in Arbeitsschutz, Umwelt, Produktsicherheit und IT-Sicherheit schriftlich dokumentiert, mit Berichtsweg? (§ 13 Abs. 2 ArbSchG, § 130 OWiG)
Erfüllt: Prüfe, ob Auswahl und Kontrolle der Beauftragten nachweisbar sind.
Teilweise: Ergänze eine Delegationsmatrix mit Berichtsweg und Prüfintervall.
Offen: Erstelle zuerst die Delegationsmatrix. Sie ist die Grundlage für den Nachweis deiner Aufsicht.
3. Cybersicherheit: Hast du geklärt, ob dein Unternehmen unter das BSIG fällt, und sind Maßnahmen und Schulungsnachweise der Geschäftsleitung dokumentiert? (§ 30 BSIG, § 38 BSIG)
Erfüllt: Halte Maßnahmenplan und Schulungsnachweise aktuell.
Teilweise: Schließe die Lücken bei Registrierung, Maßnahmenplan oder Schulungsnachweis.
Offen: Beginne mit der Betroffenheitsprüfung und plane die Geschäftsleitungsschulung ein.
4. Meldewege: Gibt es festgelegte Meldewege für IT-Sicherheitsvorfälle und für Schwachstellen in eigenen Produkten? (BSIG, Art. 14 CRA)
Erfüllt: Teste den Meldeprozess in einer Übung.
Teilweise: Lege Zuständigkeiten und Fristen für beide Meldewege fest.
Offen: Kläre zuerst, ob du Hersteller im Sinne des CRA bist, und benenne einen Verantwortlichen.
5. Lieferkette: Sind Lieferantenrisiken bewertet und die Daten für EUDR-Sorgfaltserklärungen und LkSG-Analysen verfügbar? (EUDR, LkSG)
Erfüllt: Beobachte den Gesetzgebungsstand vor dem 30.12.2026.
Teilweise: Priorisiere kritische Lieferanten und ergänze die fehlenden Daten.
Offen: Verschaffe dir zuerst einen Überblick, welche Rohstoffe und Lieferanten betroffen sind.
6. Personal und Zeit: Ist das Personalbudget 2027 auf 14,60 € Mindestlohn angepasst und die Arbeitszeiterfassung belastbar? (MiLoV5, BAG 1 ABR 22/21)
Erfüllt: Wähle ein System, das künftige gesetzliche Vorgaben abdecken kann.
Teilweise: Prüfe Minijobs, Dienstleisterverträge und Erfassungslücken.
Offen: Rechne das Budget 2027 neu und kläre die Erfassung der Arbeitszeit.

Lösungsansätze: No-Regret-Maßnahmen für die ersten 90 Tage

Ressort schriftlich festlegen

Geschäftsordnung oder Geschäftsverteilungsplan, von allen Geschäftsleitern mitgetragen.

Delegationsmatrix führen

Wer übernimmt welche Pflicht, mit welchem Berichtsweg und welchem Prüfintervall?

Pflichtenkataster anlegen

Norm, Frist, Verantwortlicher, Nachweis und Status an einem Ort.

Meldewege festlegen

Zuständigkeit und Fristen für Sicherheitsvorfälle und Produktschwachstellen.

RACI-Tabelle abstimmen

Zehn zentrale Entscheidungen mit CEO, CFO, CRO und CCO klären.

KPI und KRI mit Schwellenwerten

Ampel, Eskalationsstufe und Verantwortlicher je Kennzahl.

Checkliste: Deine ersten 90 Tage als COO

  • Rechtsstellung geklärt: Organ oder leitender Angestellter; Ressort schriftlich zugewiesen (BGH II ZR 11/17)
  • D&O-Versicherung und gegebenenfalls Anstellungsvertrag auf das Ressort Operations geprüft
  • RACI-Tabelle mit CEO, CFO, CRO und CCO für zehn zentrale Entscheidungen erstellt
  • Pflichtenkataster 2026/2027 angelegt (NIS2, CRA, Maschinenverordnung, EUDR, Ökodesign, Mindestlohn, Arbeitszeit, E-Rechnung)
  • Delegationen im Arbeitsschutz schriftlich vorgenommen (§ 13 Abs. 2 ArbSchG)
  • Meldewege für IT-Sicherheitsvorfälle und Produktschwachstellen festgelegt (BSIG, Art. 14 CRA)
  • KPI- und KRI-Set mit Schwellenwerten und Eskalationsstufen eingerichtet
  • Lieferantenrisiken bewertet (LkSG, EUDR, Abhängigkeiten)
  • Personalbudget 2027 auf 14,60 € Mindestlohn angepasst
  • Eigene Schulungsnachweise dokumentiert (§ 38 Abs. 3 BSIG, soweit einschlägig)

Eigenschaften und Weg in die COO-Rolle

Wichtige Eigenschaften: analytisch, umsetzungsstark, prozessorientiert, technologieaffin und führungsstark in Veränderungsprozessen. Hinzu kommt die Fähigkeit, Pflichten zu delegieren und die Delegation zu kontrollieren. Schwache Führung schwächt die Mitarbeiterbindung und erhöht die Fluktuation in Schlüsselfunktionen.

Typische Wege führen über Werks- oder Bereichsleitung, Supply-Chain-Management, Unternehmensberatung oder die Projekt- und Transformationsleitung.

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Fazit: Die Aufgaben eines COO werden regulatorischer

Die Aufgaben eines COO bleiben operativ: Prozesse, Ressourcen, Qualität und Kennzahlen. Neu ist, dass viele gesetzliche Pflichten der Jahre 2026 und 2027 genau dort ansetzen, wo der COO Verantwortung trägt.

  • Klär deine Rechtsstellung und lass das Ressort schriftlich zuweisen.
  • Dokumentiere Delegationen und halte Auswahl und Kontrolle nachweisbar.
  • Führe ein Pflichtenkataster mit Fristen und Verantwortlichen.
  • Trenne geltendes und künftiges Recht und prüfe Verfahrensstände vor Entscheidungen.
  • Steuere mit KPIs und KRIs, die Schwellenwerte und Eskalationsstufen haben.

Wenn du die Rolle neu übernimmst oder dein Team qualifizieren willst, bietet der S+P Lehrgang COO einen strukturierten Einstieg.

Häufige Fragen zu den Aufgaben eines COO

Was macht ein COO genau?+−

Der Chief Operating Officer verantwortet die operative Umsetzung der Unternehmensstrategie. Er steuert Prozesse, Ressourcen, Qualität und häufig Einkauf, Produktion und Logistik. Zunehmend verantwortet er auch die gesetzlichen Pflichten im operativen Bereich, etwa Cybersicherheit, Produktsicherheit und Lieferkette.

Wie unterscheidet sich der COO vom CEO und CFO?+−

Der CEO gibt Vision und Strategie vor, der CFO verantwortet Finanzen und Liquidität. Der COO setzt die Strategie operativ um. Die genaue Abgrenzung ergibt sich aus dem Geschäftsverteilungsplan und sollte schriftlich festgelegt sein.

Haftet ein COO persönlich?+−

Ist der COO Geschäftsführer oder Vorstand, haftet er der Gesellschaft bei Pflichtverletzungen nach § 43 GmbHG bzw. § 93 AktG. Eine klare Ressortverteilung begrenzt die Haftung, hebt aber die Überwachungspflicht für die anderen Ressorts nicht auf. Als leitender Angestellter kann er als beauftragter Betriebsleiter ordnungswidrigkeiten- und strafrechtlich verantwortlich sein (§ 9 OWiG, § 14 StGB).

Welche neuen Pflichten kommen 2026/2027 auf COOs zu?+−

Zu den zentralen Themen gehören die Pflichten der Geschäftsleitung nach § 38 BSIG (seit 06.12.2025), die Meldepflichten nach dem Cyber Resilience Act (seit 11.09.2026), die EUDR (ab 30.12.2026), die Maschinenverordnung (ab 20.01.2027) und der Mindestlohn von 14,60 € (ab 01.01.2027). Bei Entgelttransparenz und Arbeitszeiterfassung stehen die deutschen Gesetze noch aus.

Welche Eigenschaften machen einen erfolgreichen COO aus?+−

Analytische Stärke, Umsetzungskraft, Prozessorientierung, Technologieaffinität und Führungsstärke im Wandel. Hinzu kommt die Fähigkeit, Pflichten sauber zu delegieren und wirksam zu kontrollieren.

Wie kann ich mich auf die COO-Rolle vorbereiten?+−

Neben Praxiserfahrung in Operations hilft eine gezielte Weiterbildung. Der S+P Lehrgang COO (Z08) verbindet in zwei Tagen Strategie, Kennzahlen und Führung mit Compliance-Themen wie ESG, Lieferkette, Arbeitsrecht und den Änderungen 2026/2027. Du erhältst ein Teilnahmezertifikat und ein Digital Badge.

Quellenverzeichnis

Alle Quellen sind amtliche oder staatliche Stellen. Die Verordnungen der EU (CRA, Maschinenverordnung, EUDR, Ökodesign, KI-Verordnung) sind im Text mit ihrer Nummer genannt. Abruf der Quellen: 14.10.2026.

Gesetze und Verordnungen des Bundes

Ministerien, Bundesregierung und Parlament

Europäische Kommission und EU-Agenturen

Aufsichts- und Bundesbehörden

Rechtsprechung

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Achim Schulz
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Achim Schulz

Geschäftsführer S+P Compliance & S+P Unternehmerforum · langjährige Vorstands- & Geschäftsführungserfahrung

Achim Schulz kennt die Führungsebene aus eigener Verantwortung. Er bringt langjährige Erfahrung als Bankvorstand, Geschäftsführer und Interim-Manager in der Industrie mit. Diese Doppelperspektive aus Finanzsektor und Realwirtschaft zeichnet ihn aus. Sie macht ihn zum gefragten Sparringspartner für CEO, COO, CRO und CFO. Er versteht die komplexe Dynamik zwischen Geschäftsleitung, Aufsichtsrat und Gesellschaftern. Zudem weiß er genau, worauf es in kritischen Unternehmensphasen ankommt. Praxisnah und auf Augenhöhe übersetzt er strategische sowie aufsichtsrechtliche Anforderungen. Das Ergebnis sind fundierte, verantwortungsvolle und nachvollziehbar vorbereitete Führungsentscheidungen.

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