Regulatorisches Update · Stand 14.10.2026
Was sich für deine Arbeit als Prokurist konkret ändert.
Sechs Änderungen für Cybersicherheit, KI, Steuern, Personal und Haftung – im Lehrgang in den Modulen 2, 4, 5 und 6 eingeordnet, mit klarer Trennung von bisheriger und neuer Regelung.
Bisherige und neue Regelung im Vergleich
| Bisherige Regelung |
Neue Regelung |
| NIS2-Umsetzung: Cybersicherheit als LeitungsaufgabeVerbindliche IT-Sicherheitspflichten trafen nach dem BSIG in der bis 05.12.2025 geltenden Fassung im Wesentlichen Betreiber Kritischer Infrastrukturen. |
Seit 06.12.2025Mit dem NIS2-Umsetzungsgesetz gilt das neue BSIG für besonders wichtige und wichtige Einrichtungen (§ 28 BSIG). Die Geschäftsleitung setzt die Risikomanagementmaßnahmen nach § 30 BSIG um, überwacht sie und nimmt regelmäßig an Schulungen teil (§ 38 BSIG). Prokuristen sind nicht Geschäftsleitung, setzen die Maßnahmen in ihren Bereichen aber häufig um. |
| KI-Verordnung: KI-Kompetenz und TransparenzArt. 4 VO (EU) 2024/1689 verlangte seit 02.02.2025, nach besten Kräften sicherzustellen, dass das Personal über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügt. Kennzeichnungspflichten für KI-Inhalte galten noch nicht. |
Seit 02.08.2026 · Neufassung seit 27.07.2026Seit dem 02.08.2026 gelten die Transparenzpflichten nach Art. 50, etwa die Offenlegung von Deepfakes. Nach der Neufassung von Art. 4 durch VO (EU) 2026/1744 ergreifen Anbieter und Betreiber Maßnahmen, die die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals unterstützen. Die Pflichten für Hochrisiko-KI nach Anhang III gelten ab 02.12.2027. |
| E-Rechnung im Inland (B2B)Seit 01.01.2025 müssen inländische Unternehmer E-Rechnungen empfangen können (§ 14 Abs. 1 UStG). Für die Ausstellung gelten Übergangsregelungen. |
Ab 01.01.2027 · ab 01.01.2028Nach § 27 Abs. 38 UStG müssen Unternehmer, deren Gesamtumsatz im Vorjahr mehr als 800.000 € betrug, ab dem 01.01.2027 E-Rechnungen ausstellen. Ab dem 01.01.2028 gilt die Ausstellungspflicht für alle inländischen B2B-Umsätze. Prokuristen mit Verantwortung für Finanzen und Rechnungswesen sind unmittelbar betroffen. |
| Gesetzlicher MindestlohnBis 31.12.2025 betrug der gesetzliche Mindestlohn 12,82 € brutto je Zeitstunde. |
Seit 01.01.2026 · ab 01.01.2027Nach der Fünften Mindestlohnanpassungsverordnung (BGBl. 2025 I Nr. 268) beträgt der Mindestlohn seit dem 01.01.2026 13,90 € und ab dem 01.01.2027 14,60 € brutto je Zeitstunde. |
| Verbandsgeldbuße nach § 30 OWiGBegeht ein Prokurist in leitender Stellung eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit, kann gegen das Unternehmen eine Geldbuße festgesetzt werden (§ 30 Abs. 1 Nr. 4 OWiG) – bis zu 10 Mio. € bei Vorsatz und 5 Mio. € bei Fahrlässigkeit. |
Gesetzentwurf · nicht verabschiedetDer Regierungsentwurf zur Umsetzung der Umweltstrafrechtsrichtlinie (EU) 2024/1203 (BT-Drs. 21/6133) hebt das Höchstmaß für alle Anknüpfungstaten auf 40 Mio. € bei Vorsatz und 20 Mio. € bei Fahrlässigkeit an und nennt erstmals Bemessungskriterien, darunter Compliance-Maßnahmen (§ 30 Abs. 2a OWiG-E). Nach der ersten Lesung am 11.06.2026 ist das Gesetz zum Stand dieser Seite nicht verabschiedet. |
| Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD)Die RL (EU) 2022/2464 sah eine gestaffelte Berichtspflicht für alle großen Unternehmen vor. Deutschland hat sie bislang nicht umgesetzt; große kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Arbeitnehmern geben weiter die nichtfinanzielle Erklärung nach §§ 289b ff. HGB ab. |
EU: seit 18.03.2026 · DE: Umsetzung offenDie Änderungsrichtlinie (EU) 2026/470 (Omnibus I), in Kraft seit 18.03.2026, beschränkt die Berichtspflicht auf Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. € Nettoumsatz. Die Mitgliedstaaten setzen sie bis 19.03.2027 um. Das deutsche CSRD-Umsetzungsgesetz ist zum Stand dieser Seite nicht verkündet. |
Rechtsgrundlagen: HGB · §§ 48 bis 54, 289, 289b ff. · BGB · §§ 179, 280 · AO · §§ 35, 69 · OWiG · §§ 30, 130 · Regierungsentwurf BT-Drs. 21/6133 · BSIG · §§ 28, 30, 38 · KI-Verordnung · VO (EU) 2024/1689, Art. 4, 50, geändert durch VO (EU) 2026/1744 · UStG · §§ 14, 27 Abs. 38 · MiLoV5 · § 1 · CSRD · RL (EU) 2022/2464, geändert durch RL (EU) 2026/470 · StaRUG · § 1 · InsO · §§ 18, 19 · GmbHG · § 49 · AktG · § 92. Welche Pflichten dich persönlich treffen, hängt von deiner Prokura, deinem Arbeitsvertrag und deinen tatsächlichen Aufgaben ab.
Dein Praxistransfer: Kläre mit der Geschäftsführung, welche der sechs Änderungen in deinen Verantwortungsbereich fallen – vor allem E-Rechnung und Mindestlohn zum 01.01.2027. Halte schriftlich fest, was du umsetzt und was du der Geschäftsführung zur Entscheidung vorlegst.