Die Financial Instruments Regulation (MiFIR) bildet das zentrale Element der europäischen Finanzmarktregulierung und steht im Mittelpunkt der aktuellen Überarbeitung.
Die neuen MiFIR-Review-Regelungen entfalten besondere Wirkung, indem sie die Markttransparenz erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Kapitalmärkte stärken.
Die Anwendung (Application) der neuen Vorschriften beginnt gestaffelt ab März 2024. Eine vollständige Umsetzung wird nicht vor dem zweiten Quartal 2026 erwartet.
Die MiFIR-Review wurde von der Europäischen Kommission im Februar 2020 angekündigt. Die finalen Änderungen wurden am 28. März 2024 im EU-Amtsblatt veröffentlicht.
Erste Maßnahmen treten bereits im März 2024 in Kraft, weitere folgen bis 2027.
Ziel der MiFIR-Review ist es, die Markttransparenz und Effizienz zu verbessern sowie die globale Wettbewerbsfähigkeit der EU-Kapitalmärkte nachhaltig zu stärken.
Die Application (Anwendung) der neuen Regelungen führt dazu, dass nationale Gesetze an die neuen EU-Vorgaben angepasst werden müssen. Die ESMA ist in diesem Zusammenhang beauftragt, technische Regulierungsstandards (RTS) für die Maßnahmen der MiFIR-Review zu entwickeln.
Ein mittleres Wertpapierinstitut ist von diesen neuen MiFIR-Rechtsakten nur mittelbar betroffen, da sie sich primär an Datenbereitstellungsdienste (APA, ARM, CTP), den Transparenzrahmen sowie die technische Ausgestaltung von Marktdaten richten; sie wirken jedoch mittelbar über Pflichten gegenüber Handelsplätzen, APA/ARM, benannten veröffentlichenden Einrichtungen und künftig CTPs auf das Institut zurück.
Richtet sich an APA, ARM und CTP (Zulassungs-, Organisations- und Governance-Anforderungen).
Das APA fungiert als zentrales Register für die Veröffentlichung von Transaktionsdaten; das ARM dient der Einhaltung von Meldepflichten und der Harmonisierung der Reporting-Standards.
Neuerung: Strengere Vorgaben für Datenqualität, Fehlerkorrektur und Überwachung. Ab Januar 2022 (bzw. im Rahmen der Neuregelung) übernimmt die ESMA die direkte Zuständigkeit für die Zulassung und Aufsicht.
Relevanz: Institute müssen ihre internen Prozesse, die IT-Infrastruktur und das Outsourcing-Controlling an die neuen Standards anpassen.
Legt einheitliche Datenformate (ISO-20022) und Zeitstempel-Vorgaben fest.
Die Designated Publishing Entity (DPE) wird als neue Kategorie eingeführt, um die Meldeprozesse im FIRDS-System zentral zu steuern.
Ziel ist die Einführung konsolidierter Datenticker (CT) für einen diskriminierungsfreien und kostenlosen Zugang zu Marktdaten.
Relevanz: Institute müssen die IT-Latenzen und die Zeitstempel-Granularität anpassen. Als Mitglied von Handelsplätzen ist sicherzustellen, dass die Order-Systeme die korrekten Felder liefern.
Konkretisiert die Bereitstellung von Marktdaten auf „reasonable commercial basis“ (Gebührenmodelle, Transparenz).
Auswirkungen: Datennutzer (Handel, Portfoliomanagement) müssen prüfen, ob sich Preisstrukturen und Lizenzmodelle ändern.
Compliance/Legal sollte evaluieren, ob neue Optionen für einen günstigeren Datenbezug bestehen und ob die Kostenallokation noch MiFIR-konform ist.
Passt die Transparenzregeln für Anleihen, strukturierte Produkte und Eigenkapitalinstrumente an das „transparency + consolidated tape“-Reformpaket an.
Beinhaltet neue LIS-Schwellen, Liquiditätsklassifizierungen und das Management von Waivern und Deferrals.
Relevanz: Anpassung der Handel & Best-Execution-Policy sowie der Pre-Trade-Checks (Algorithmen, Market Making). Das Monitoring muss auf die neuen RTS-Parameter umgestellt werden.
Legt Standardformulare für das Zulassungsverfahren bei der ESMA fest.
Nur relevant, wenn das Institut selbst den Status eines APA, ARM oder CTP anstrebt (z.B. gruppeninternes ARM).
Mit dem MiFIR-Review wird das Payment for Order Flow (PFOF) europaweit untersagt. PFOF bezeichnet ein Modell, bei dem Broker Kundenaufträge gegen Entgelt an andere Marktteilnehmer weiterleiten, was potenziell Interessenkonflikte schafft. Ziel des Verbots ist es, die Integrität der Märkte zu stärken und sicherzustellen, dass Aufträge ausschließlich nach objektiven Kriterien ausgeführt werden. Unternehmen müssen bestehende Provisionsstrukturen überprüfen und alternative Modelle entwickeln, um regulatorische Risiken zu vermeiden und das Vertrauen der Marktteilnehmer zu stärken.
Die European Securities and Markets Authority (ESMA) nimmt eine Schlüsselrolle ein, indem sie praxisnahe Leitlinien entwickelt und Marktteilnehmer sowie nationale Behörden unterstützt. Sie stellt sicher, dass die MiFIR-Regelungen europaweit einheitlich interpretiert und durchgesetzt werden. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie neben den formalen Anforderungen auch die Auslegungshilfen und technischen Standards der ESMA in ihre internen Prozesse integrieren sollten. Die ESMA sorgt durch regelmäßige Konsultationen und Q&A-Dokumente für Klarheit, damit Compliance-Strukturen gezielt angepasst werden können.
Für ein mittleres Wertpapierinstitut ergeben sich vor allem indirekte Pflichten über Rollen (Handelsteilnehmer, Systematischer Internalisierer, APA/ARM-Kunde) sowie über Verträge und IT-Schnittstellen. Die Rechtsakte selbst adressieren primär Handelsplätze und Datenbereitsteller.
| Thema | Neue Regelung / Handlungsbedarf |
|---|---|
| 1. Market Data – Gebühren und Lizenzmodelle (VO (EU) 2025/1156) |
Marktdatenverträge mit Börsen, Datenvendoren sowie APA/CTP sind auf die Vorgaben zur reasonable commercial basis, Gebührentransparenz und Nutzungsrechte zu überprüfen und ggf. neu zu verhandeln. Interne Kosten- und Berechtigungskonzepte für Marktdaten (inkl. künftiger CTP-Feeds) sind anzupassen. Das EU-weite Consolidated Tape stellt eine zentrale Neuerung des MiFIR-Reviews 2026 dar. |
| 2. Organisation und Governance von APA/ARM/CTP (VO (EU) 2025/1143) |
Bei eigenem oder geplantem Betrieb eines APA/ARM/CTP sind neue Anforderungen an Governance, interne Kontrollen, Interessenkonflikte, Auslagerung und DORA-Nachweise umzusetzen. Als Kunde eines APA/ARM sind Outsourcing-Verträge und SLAs insbesondere hinsichtlich Datenqualität, Fehlerkorrektur, Zeitstempel und Eskalationsprozesse anzupassen. |
| 3. CTP Input/Output & Clock-Synchronisation (VO (EU) 2025/1155) |
IT-Systeme müssen neue Anforderungen an Zeitstempel-Granularität, zulässige UTC-Abweichungen, Latenzen und Traceability erfüllen. Ab dem 2. März 2026 ist eine überprüfbare Clock-Synchronisation sicherzustellen. Bei SI-Status oder eigener APA/ARM-Anbindung sind Datenfelder und Formate mit CTP- bzw. APA-Spezifikationen abzugleichen. |
| 4. Transparenz-RTS für Equity- und Non-Equity-Instrumente (VO (EU) 2025/1246) |
Pre- und Post-Trade-Transparenzregelungen sind an neue Liquiditätsklassifizierungen, LIS-/SSTI-Schwellen und geänderte Aufschubregelungen anzupassen. Best-Execution-Policy und Ausführungsgrundsätze (inkl. Nutzung künftiger CTP-Daten) sind zu aktualisieren. Statische Referenzdaten (ISIN, CFI, Liquiditätsklasse) sind zu prüfen. |
| 5. Standardisierte Antragsformulare für APA/ARM/CTP (VO (EU) 2025/1157) |
Bei eigenem APA/ARM/CTP sind Zulassungs- und Änderungsanzeigen künftig über standardisierte ITS-Formulare einzureichen. Governance-Prozesse müssen sicherstellen, dass meldepflichtige organisatorische oder personelle Änderungen rechtzeitig erkannt und gemeldet werden. |
| 6. Marktrolle & IT-Ausrichtung eines mittleren Instituts | Klare Festlegung der Rolle als SI, APA/ARM-Betreiber, benannte veröffentlichende Einrichtung (DPE) oder reiner Datennutzer. Wertpapierfirmen können als DPEs Referenzdaten an das FIRDS-System melden. IT-seitig sind insbesondere Clock-Synchronisation, Latenzen und Schnittstellenanforderungen umzusetzen. |
| 7. Umsetzung in Compliance & Risikomanagement | Durchführung einer Impact-Analyse und eines Gap-Assessments gegenüber der bestehenden MiFID-/MiFIR-Kontrollmatrix. Erstellung eines Maßnahmenplans mit Umsetzungsfristen (2. März 2026 bzw. 23. August 2026). Verträge und Auslagerungen sind systematisch zu überprüfen und regulatorisch einzuordnen. |
| 8. Anpassungen für Institute ohne Datenlizenz | Auch ohne eigene Datenlizenz sind Transparenz- und Best-Execution-Policies anzupassen, Zeitstempel- und Datenqualitätsanforderungen sicherzustellen sowie Marktdatenverträge und interne Kostenverteilungsmodelle an die neuen Vorgaben anzupassen. |
| 9. Zusätzliche Anforderungen bei SI-Status | Sicherstellung, dass Quotes und Trades sämtliche Input-, Datenfeld- und Latenzanforderungen erfüllen. Vollständige und fristgerechte Meldung aller SI-Geschäfte an APA bzw. CTP. Veröffentlichung der Transaktionsdaten über das APA-Register zur Stärkung der Nachhandelstransparenz. |
| 10. Anforderungen als APA/ARM-Kunde bzw. bei konzerninternem APA/ARM/CTP | Outsourcing- und SLA-Strukturen sind an neue RTS/ITS anzupassen (KPIs, Incident-Management, Reporting, DORA). Bei eigenem APA/ARM/CTP ist die vollständige organisatorische und technische Umsetzung inkl. Revenue-Sharing (bei CTP) sicherzustellen. Das MiFIR-Review verlangt zudem eine detaillierte Meldung von Transaktionsdetails an einen zentralen Reporting-Mechanismus. |
Marktrolle klären
Prüfen, ob das Institut:
systematischer Internalisierer in einzelnen Instrumenten ist,
APA/ARM betreibt (oder via Konzern),
als benannte veröffentlichende Einrichtung (DPE) fungiert, was im Rahmen des MiFIR-Reviews insbesondere für Wertpapierfirmen mit erweiterten Meldepflichten und beim Referenzdatenreporting an das FIRDS-System relevant ist,
intensive Nutzung von Marktdaten (inkl. künftiger CTP-Feeds) hat.
Davon hängen die Intensität der Pflichten nach 2025/1143, 2025/1155 und 2025/1156 ab.
IT- und Zeitstempel-Anforderungen
Sicherstellen, dass Order- und Handelssysteme die Präzision und Abweichungsvorgaben zur UTC nach den neuen Uhren-Regeln einhalten (Granularität, maximal zulässige Abweichung, jährliche Überprüfung der Traceability).
Bei Hochfrequenz- oder algorithmischem Handel sind strengere Genauigkeitsgrade und Latenzanforderungen maßgeblich.
Vertragsmanagement mit APA, Handelsplätzen, Datenanbietern
Service-Level, Datenqualität, Fehlerkorrektur-Prozesse, Zeitstempel- und Format-Spezifikationen in APA-/ARM-Verträgen und Börsen-Rulebooks gezielt auf Konsistenz mit den neuen RTS/ITS prüfen.
Marktdaten-Verträge (inkl. Käufe von CTP-Daten) auf neue „reasonable commercial basis“-Anforderungen und eventuelle Kostenentlastungen oder neue Reporting-Pflichten hin analysieren.
Interne Policies/Prozesse anpassen
Best-Execution-Policy, Order-Handling-Policy und Transparenz-Kontrollen an neue Transparenz-Schwellen, Waiver-/Deferral-Regime und den Einsatz der CTP-Daten zur Marktüberwachung anpassen.
Datenqualitäts- und Incident-Prozesse für Meldedaten (Handelsmeldungen, APA-Meldungen, ggf. SI-Quotes) so ausgestalten, dass sie die in 2025/1155 und 2025/1143 beschriebenen Fehlerroutinen und Kommunikationswege unterstützen.
DORA-Verknüpfung: Für eigene (ggf. APA/ARM-ähnliche) Funktionen sicherstellen, dass die bereits nach DORA etablierten IKT-Kontrollen und Auslagerungsprozesse auch den spezifischen Anforderungen in 2025/1143 genügen (falls eigene Lizenzen als Datenbereitstellungsdienst geplant sind).
Impact-Analyse – Mapping der neuen Verordnungen auf Rollen des Instituts (Handelsplatz-Mitglied, SI, Datennutzer, evtl. APA/ARM).
Abgleich der bestehenden MiFIR-/MiFID-Kontrollmatrix mit neuen Artikeln/Anhängen der 2025-Verordnungen.
Projektplanung – IT-Projekt „Clock-Sync und Latenzen“ (inkl. Monitoring, jährlicher Nachweis);
Anpassung Transparenz-Engine (Schwellen, Liquidität, Deferrals) und Best-Execution-Berichte;
Vertragsreview mit Marktdatenlieferanten, APA/ARM, Handelsplätzen.
Berücksichtigung der neuen Aufgaben und Verantwortlichkeiten für Compliance und Risk im Rahmen der MiFIR-Review, insbesondere im Hinblick auf die regulatorischen Vorgaben für Datenbereitstellungsdienste und die verstärkte Aufsicht durch BaFin und ESMA.
| Rolle des Instituts | Typische Konstellation | Relevante neue Akte | Grundsatz-Pflichten |
|---|---|---|---|
|
Handelsteilnehmer (Mitglied an Handelsplätzen, OTC mit APA-Nutzung) |
„Normales“ mittleres Wertpapierinstitut ohne eigene Datenbereitstellungs-Lizenz; ggf. auch als Wertpapierfirma mit Meldepflichten für Referenzdaten und Möglichkeit zur Beantragung des DPE-Status |
2025/1155, 2025/1156, 2025/1246 |
Transparenz-Schwellen und Marktdaten-Nutzung; Anforderungen an Latenzen und Zeitstempel; Anpassung der Best-Execution-Policy; neue Aufgaben im Rahmen erweiterter Meldepflichten und Verantwortlichkeiten für die Datenbereitstellung |
|
Systematischer Internalisierer (SI) in einzelnen Instrumenten |
SI-Status in Anleihen, FX oder Equity |
2025/1155, 2025/1246 |
Latenz- und Zeitstempel-Anforderungen; neue Datenfelder an CTP/APA; erweiterte Transparenz-Regeln; zusätzliche Aufgaben zur Einhaltung der neuen regulatorischen Vorgaben |
|
Nutzer von APA/ARM (kein eigener Dienst) |
Outsourcing von Transaktionsmeldungen und Post-Trade-Transparenz |
2025/1143, 2025/1155, 2025/1156 |
Anpassung von Verträgen und SLAs; Sicherstellung von Datenqualität, Fehlerkorrektur und IT-Schnittstellen; Nutzung von APA als zentrales Register für Echtzeit-Veröffentlichungen und ARM zur Erfüllung der Meldepflichten sowie Harmonisierung der Reporting-Standards |
|
Eigener APA/ARM/CTP im Konzern |
Konzerninterner ARM/APA/CTP; ggf. zusätzlich als designated publishing entity (DPE) für das Referenzdatenreporting an das FIRDS-System |
2025/1143, 2025/1155, 2025/1157 |
Vollständige RTS-/ITS-Umsetzung; Nutzung standardisierter Zulassungsformulare; Governance- und DORA-Anforderungen; neue Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Rahmen der Aufsicht und Zulassung durch BaFin und ESMA |
Regulatorik & Policies
Transparenz-Policy (Pre/Post Trade) an geänderte RTS 2017/583 und 2017/587 anpassen (neue Definitionen, Liquiditätsklassen, LIS-Schwellen, Deferral-Regeln).
Best-Execution-Policy und Ausführungsgrundsätze auf Nutzung des künftigen CTP-Datenstroms und neue Transparenzparameter ausrichten (z.B. Referenzpreise, Marktqualität).
IT & Daten
Prüfen, ob Order-/Handelssysteme Zeitstempel-Granularität und UTC-Abweichungsgrenzen gem. Uhren-Regime einhalten (inkl. Dokumentation der Traceability).
Sicherstellen, dass interne Marktdaten-Feeds und Static Data (ISIN, CFI-Code, Liquiditätsklasse, LIS-Schwellen) mit den neuen Tabellen/Anhängen der geänderten RTS harmonisiert sind.
Die neuen RTS fordern eine erhöhte Verfügbarkeit und strukturierte Bereitstellung von Marktdaten, um einen transparenteren Zugang zu Finanzmarktdaten zu gewährleisten.
Marktdaten & Verträge
Marktdaten-Verträge mit Börsen, Datenvendoren, APA-/CTP-Anbietern auf „reasonable commercial basis“-Regeln, Gebührentransparenz und Lizenzbedingungen überprüfen.
Internes Kosten- und Berechtigungsmodell für Marktdaten (inkl. künftiger CTP-Feeds) überprüfen und ggf. anpassen.
Die neuen RTS verpflichten zur Offenlegung relevanter Informationen und erhöhen die Transparenz durch die strukturierte Bereitstellung von Marktdaten.
Transparenz & CTP-Input
Sicherstellen, dass SI-Quotes und Trades die in 2025/1155 definierten Inputdaten-Felder und ISO-20022-kompatiblen Formate erfüllen (Vor- und Nachhandelsdaten, je nach Anlageklasse).
Latenzanforderungen für die Übermittlung von Vor- und Nachhandelsdaten (z.B. 50 ms für Aktien, 500 ms für Nichteigenkapital) technisch umsetzen und überwachen.
Governance & Kontrollen
Kontrollen, dass alle SI-Geschäfte in Scope-Instrumenten korrekt und vollständig an Handelsplatz/APA/CTP gelangen; Abgleich mit FIRDS-/Transparenzlisten.
Anpassung der internen „Quote Governance“ (Quote-Pulls, Quote-Updates) an neue Transparenz- und CTP-Datenanforderungen.
Vertrags- und SLA-Review
Verträge mit APA/ARM auf Bezugnahme der neuen RTS 2025/1143 und ITS 2025/1157 prüfen (Organisationsanforderungen, Fehlerkorrektur, Zeitstempel, Auslagerung, Fit-and-Proper). Dabei ist zu beachten, dass das approved publication arrangement (APA) als zentrales Register für die Echtzeitveröffentlichung von Transaktionsdaten und das approved reporting mechanism (ARM) für die Einhaltung der Meldepflichten nach MiFIR eine zentrale Rolle spielen.
Sicherstellen, dass SLAs klare KPIs zu Latenzen, Datenqualität, Korrekturfristen und Kommunikationswegen bei Fehlern oder Ausfällen enthalten. Neue Aufgaben und Verantwortlichkeiten als Kunde von APA/ARM ergeben sich insbesondere durch die erweiterten regulatorischen Vorgaben und die verstärkte Aufsicht durch Behörden wie BaFin und ESMA.
Operationelle Prozesse
Interne Meldestrecken (Front-to-Report) so ausgestalten, dass alle Pflichtfelder für APA/ARM und künftig CTP-Weiterleitung vorliegen (inkl. MIC, Handelsplatzkennungen, Deferral-Flags). Zudem besteht die Pflicht, Transaktionsdaten wie Preis und Volumen in einem zentralen Register (APA) möglichst in Echtzeit zu veröffentlichen, um die Nachhandelstransparenz zu gewährleisten.
Fehler- und Incident-Prozess mit APA/ARM definieren (z.B. Fristen für Korrekturen, Eskalationen, Dokumentation der Root-Cause-Analysen).
Zulassung & Organisation
Vollständige Umsetzung der Zulassungs- und Organisationsanforderungen nach 2025/1143 (Organigramm, Eigentümerstruktur, Governance, Fit & Proper, interne Kontrollen, DORA-Nachweise). Im Rahmen des MiFIR-Reviews sind insbesondere die neuen Aufgaben und Verantwortlichkeiten für Datenbereitstellungsdienste zu beachten, einschließlich der Rolle der designated publishing entity (dpe) bei der Zulassung und Organisation.
Nutzung der neuen Standardformulare und Mitteilungsblätter aus 2025/1157 für Zulassung, Änderungen im Leitungsorgan und laufende Kommunikation mit ESMA/nationaler Behörde.
Daten & Systeme
Technische Umsetzung der in 2025/1155 festgelegten Anforderungen an Input-/Outputdaten, Protokoll-Qualität, Latenzen und Fehlerbehandlung (inkl. Transaktions-ID-Handling, Kundenkommunikation). Für die technische Umsetzung und das Reporting sind approved publication arrangement (APA) und approved reporting mechanism (ARM) als zentrale Systeme für die Veröffentlichung und Meldung von Transaktionsdaten zu nutzen.
Implementierung der Revenue-Sharing-Mechanik für CTP-Einnahmen (Equity/ETF) nach den Gewichtungen und Prozessen in 2025/1155, falls ein CTP im Konzern betrieben wird. Die neuen Aufgaben umfassen zudem die Einhaltung erweiterter Meldepflichten und die Harmonisierung der Reporting-Standards gemäß den MiFIR-Review-Anforderungen.
Ein Climate Transition Plan (CTP) ist heute ein zentrales Element jeder zukunftsorientierten Unternehmensstrategie. Ziel eines CTP ist es, konkrete Maßnahmen und eine klare Strategie zu definieren, um die eigenen Treibhausgasemissionen zu reduzieren und langfristig Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Unternehmen tragen eine besondere Verantwortung im Rahmen des Klimaschutzes und der Einhaltung internationaler Abkommen wie dem Pariser Abkommen, um die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C zu unterstützen. Klimaschutz ist dabei ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie, da die Einhaltung solcher Abkommen und internationaler Klimaverpflichtungen entscheidend für die Umsetzung nachhaltiger Klimaziele ist. Die European Commission hat mit dem European Sustainability Reporting Standard (ESRS) einen verbindlichen Rahmen geschaffen, der Unternehmen detaillierte Vorgaben für die Berichterstattung über ihre Klimatransitionspläne macht.
Der ESRS-Standard legt fest, wie Unternehmen ihre Klimaziele, Maßnahmen zur Emissionsreduktion und Fortschritte auf dem Weg zur Klimaneutralität transparent und vergleichbar dokumentieren müssen. Ein Klimatransitionsplan ist dabei ein strategisches Instrument, das den Übergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaft unterstützt und die Begrenzung der Erwärmung als zentrales Ziel verfolgt. Dies schafft nicht nur Vertrauen bei Investoren und Stakeholdern, sondern erleichtert auch die Integration von Klimazielen in das Geschäftsmodell und die strategische Steuerung. Unternehmen ohne CTP sind im Vergleich zu anderen einem höheren Risiko ausgesetzt, zukünftigen regulatorischen Anforderungen, eingeschränktem Zugang zu Kapital sowie gesellschaftlichen und reputationsbezogenen Herausforderungen zu begegnen. Unternehmen, die einen CTP nach anerkannten Frameworks wie dem ESRS entwickeln, positionieren sich als verantwortungsbewusste Akteure im europäischen Markt und leisten einen aktiven Beitrag zur Erreichung der Klimaziele der EU.
Die Umsetzung der neuen MiFIR-Vorgaben und die Entwicklung eines wirksamen Climate Transition Plans (CTP) stellen Unternehmen und Finanzinstitute vor erhebliche Herausforderungen. Ein zentrales Problem ist die Anpassung bestehender Geschäftsmodelle an die neuen regulatorischen Anforderungen – insbesondere im Hinblick auf Transparenz, Datenverfügbarkeit und Reporting. Die Erhebung, Qualitätssicherung und Integration der erforderlichen Daten für die Berichterstattung über Klimamaßnahmen und Finanzprodukte erfordert erhebliche Investitionen in IT, Prozesse und Know-how.
Zudem müssen Unternehmen sicherstellen, dass alle Maßnahmen und Änderungen im Einklang mit den aktuellen MiFIR-Vorgaben stehen und von den Aufsichtsbehörden anerkannt werden. Die Komplexität der neuen Regelwerke und die Vielzahl an Schnittstellen zwischen CTP, MiFIR und weiteren europäischen Verordnungen erhöhen den Abstimmungsbedarf innerhalb der Organisation und mit externen Partnern. Nur durch ein proaktives Engagement, kontinuierliche Weiterbildung und die enge Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden und Marktteilnehmern können diese Probleme erfolgreich bewältigt werden.
Die MiFIR-Überprüfung und die Einführung von Climate Transition Plans markieren einen entscheidenden Schritt in Richtung einer nachhaltigeren, transparenteren und zukunftsfähigen Finanzmarktarchitektur in Europa. Die neuen Vorgaben fordern von Unternehmen und Investment Firms ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Die ESMA und die nationalen Aufsichtsbehörden begleiten diesen Wandel mit klaren Leitlinien und einer konsequenten Überwachung der Umsetzung.
Für die Zukunft bedeutet dies: Wer frühzeitig auf die neuen Anforderungen reagiert, seine Geschäftsmodelle anpasst und die Chancen der Digitalisierung und Nachhaltigkeit nutzt, wird im europäischen Kapitalmarkt erfolgreich bestehen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Marktteilnehmern, Aufsichtsbehörden und der European Commission ist dabei der Schlüssel, um einen transparenten, effizienten und nachhaltigen Finanzmarkt zu schaffen, der den Herausforderungen des Klimawandels und der regulatorischen Transformation gewachsen ist.
Die Flut an neuen RTS und ITS sicher in die Praxis umzusetzen, ist eine echte Herausforderung für jede Compliance-Abteilung. Du musst nicht nur die neuen Transparenz-Schwellen kennen, sondern auch deine Best-Execution-Policies und das Reporting komplett neu ausrichten.
Möchtest du die MiFIR-Review 2026 rechtssicher meistern? In unserem Seminar bereiten wir dich gezielt auf diese Aufgaben vor. Du lernst alles über die neuen Meldetableaus, das PFOF-Verbot und die Integration der ESMA-Standards in deinen Arbeitsalltag.
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Ziel der Überarbeitung ist es, die Markttransparenz und Effizienz deutlich zu verbessern. Gleichzeitig soll die globale Wettbewerbsfähigkeit der EU-Kapitalmärkte nachhaltig gestärkt und eine zukunftsfähige europäische Finanzmarktarchitektur geschaffen werden.
Die Umsetzung erfolgt gestaffelt:
Die Delegierte Verordnung (EU) 2025/1156 konkretisiert, dass Marktdaten künftig zu angemessenen kaufmännischen Bedingungen bereitzustellen sind. Institute müssen ihre Verträge mit Börsen und Datenvendoren auf Gebührentransparenz und Lizenzmodelle überprüfen, um mögliche Kostenentlastungen zu realisieren.
Das Consolidated Tape ist ein EU-weiter, konsolidierter Datenticker, der einen diskriminierungsfreien und kostenfreien Zugang zu Marktdaten ermöglichen soll. Es ist eine der zentralen Neuerungen des MiFIR-Reviews 2026 und dient der Harmonisierung der Nachhandelstransparenz innerhalb der EU.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Clock-Synchronisation:
Payment for Order Flow – die Weiterleitung von Kundenaufträgen gegen Entgelt an Dritte – wird europaweit untersagt. Ziel ist es, Interessenkonflikte zu vermeiden und sicherzustellen, dass Aufträge ausschließlich nach objektiven Best-Execution-Kriterien ausgeführt werden.
Die Designated Publishing Entity (DPE) ist eine neue Rolle für Wertpapierfirmen mit erweiterten Meldepflichten. Sie dient der zentralen Steuerung von Meldeprozessen im FIRDS-System und übernimmt das Referenzdaten-Reporting.
Climate Transition Plans sind strategische Instrumente zur Reduktion von Treibhausgasemissionen auf Netto-Null. Die Herausforderung besteht darin, die neuen MiFIR-Transparenzvorgaben mit Nachhaltigkeits-Berichtspflichten (z. B. ESRS) zu harmonisieren. Dies erfordert erhebliche Investitionen in Datenqualität und IT-Prozesse.
Institute müssen insbesondere:
Delegierte Verordnung (EU) 2025/1156
Inhalt: Bereitstellung von Marktdaten zu angemessenen kaufmännischen Bedingungen (Market Data / Reasonable Commercial Basis).
Wichtige Fristen: Inkrafttreten am 23.11.2025. Für bereits zugelassene Handelsplätze (APA/SI) gilt die Anwendung erst ab dem 23.08.2026.
Direktlink:
Delegierte Verordnung (EU) 2025/1143
Inhalt: Anforderungen an die Zulassung und organisatorische Anforderungen für Datenbereitstellungsdienste.
Wichtige Fristen: Inkrafttreten am 23.11.2025 (direkte Anwendung ohne Aufschub).
Direktlink:
Delegierte Verordnung (EU) 2025/1246
Inhalt: Änderungen der RTS (2017/583 & 2017/587) bezüglich der Vor- und Nachhandelstransparenz.
Wichtige Fristen: Inkrafttreten am 23.11.2025. Beachten Sie: Einzelne Artikel treten erst ab dem 02.03.2026 in Kraft.
Direktlink:
Delegierte Verordnung (EU) 2025/1155
Inhalt: Input/Output-Daten für den Consolidated Tape Provider (CTP), Revenue-Sharing und Uhrensynchronisation.
Wichtige Fristen: Inkrafttreten am 23.11.2025. Die technischen Regeln zur Uhrensynchronisation (Art. 11–16) gelten ab dem 02.03.2026.
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