Aus dem Risk Hub

Autor: Emma Collins
– Compliance & Governance-Artikel
Emma Collins
fokussiert sich im S+P Governance Hub auf die Dynamik regulatorischer Anforderungen, ESG-Faktoren und digitaler Resilienz. Ziel ist es, komplexe regulatorische Rahmenbedingungen in anwendbare Management-Tools zu transformieren und Entscheidungsträgern so maximale Handlungsfähigkeit zu sichern.

9. Januar 2026
Lesezeit: 5 Minuten

Bereit für die BaFin-Prüfung? Wie sicher navigierst du durch Governance und Compliance?

In der heutigen Geschäftswelt ist die Einhaltung regulatorischer Anforderungen nicht nur eine rechtliche Notwendigkeit, sondern auch ein entscheidender Faktor für den langfristigen Erfolg und das Vertrauen der Stakeholder.

Die Definition und der Begriff von Governance und Compliance sind zentral: Governance beschreibt die Systeme, Strukturen und Prozesse, mit denen Organisationen gesteuert und kontrolliert werden, während Compliance die Einhaltung von Gesetzen, Richtlinien und freiwilligen Kodizes durch Unternehmen bezeichnet. Die präzise Definition dieser Begriffe ist essenziell, um die Bedeutung für die Unternehmensführung und das Compliance-Management zu verstehen.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) spielt in Deutschland eine zentrale Rolle bei der Überwachung und Regulierung des Finanzmarktes, um die Integrität, Transparenz und Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten. Unternehmen, die im Fokus der BaFin-Prüfung stehen, müssen daher besondere Sorgfalt auf die Einhaltung von Corporate Governance, internen Kontrollsystemen und Compliance-Richtlinien legen. Dieser Artikel beleuchtet, wie Unternehmen sicher durch das komplexe Geflecht von Governance und Compliance navigieren können.


    Internes Kontrollsystem (IKS)

    Ein wirksames internes Kontrollsystem ist für die Früherkennung von Risiken und die Sicherstellung der operativen Effizienz unerlässlich. Es umfasst Maßnahmen zur Überwachung und Steuerung der Geschäftstätigkeit, einschließlich Finanzberichterstattung, Betrugsvorbeugung und Einhaltung gesetzlicher Anforderungen. Datenschutz und Data Governance sind dabei zentrale Bestandteile, um die Qualität, Sicherheit und Compliance im Umgang mit sensiblen Daten zu gewährleisten. Für ein effektives IKS sind die Einhaltung von Bestimmungen, Regelungen und rechtlichen Vorgaben sowie ein klar definierter Rahmen für Compliance und interne Kontrollen unerlässlich. Verschiedene Mechanismen, wie Kontrollprozesse und Überwachungssysteme, stellen sicher, dass Compliance-Anforderungen effizient eingehalten werden.

    Angesichts steigender Anforderungen durch die BaFin ist ein modernes IKS heute zwingend IT-gestützt aufzustellen. Nur so lassen sich komplexe Massendaten effizient verarbeiten und die Data Integrity (Datenintegrität) über den gesamten Prozess hinweg lückenlos gewährleisten – ein zentraler Prüfpunkt in der modernen Regulatorik.

    Im Fokus der BaFin stehen insbesondere die Wirksamkeit des Risikomanagements, die Angemessenheit der Kontrollmaßnahmen und die Integrität der Finanzberichte.


    Compliance: Mehr als nur Regelkonformität

    Bereich Kernfokus & Definition Strategischer Nutzen / Ziel
    Corporate Governance System aus Strukturen und Prinzipien zur verantwortungsvollen Führung (z. B. Deutscher Corporate Governance Kodex – DCGK). Stärkt das Vertrauen der Kapitalmärkte und sichert die langfristige Wertschöpfung.
    Compliance (CMS) Gesamtheit aller Maßnahmen zur Einhaltung von Gesetzen, internen Richtlinien und unternehmensweiten Werten. Vermeidung von Sanktionen und Haftungsrisiken; Schaffung nachhaltiger Wettbewerbsvorteile.
    Risikomanagement Systematische Identifikation, Bewertung und Steuerung potenzieller Gefahren, Risiken und Regelverstöße. Risikominimierung und proaktive Vorbereitung auf BaFin-Prüfungen.
    Interne Kontrolle (IKS) Überwachung und Kontrolle von Prozessen durch die Geschäftsleitung (Trennung von Führung und Kontrolle). Sicherung der operativen Effizienz sowie der Integrität der Organisation.
    Spezial-Governance IT-Governance, ESG-Governance und Projekt-Governance für spezifische Fach- und Funktionsbereiche. Ausrichtung von IT und Nachhaltigkeit an den strategischen Unternehmenszielen.
    Unternehmenskultur Verankerung von Ethik, Integrität und sozialer Verantwortung im unternehmerischen Alltag. Tone from the Top und nachhaltige Vertrauensbildung bei internen und externen Stakeholdern.

    Strategien für eine erfolgreiche Navigation

    1. Stärkung der Governance-Strukturen: Unternehmen sollten klare Verantwortlichkeiten und Prozesse etablieren, die eine transparente und verantwortungsbewusste Unternehmensführung unterstützen. Die Einrichtung von Governance-Komitees und die regelmäßige Schulung von Vorstand und Aufsichtsrat sind dabei wesentlich.

    2. Implementierung robuster IKS-Verfahren: Die Entwicklung und ständige Überprüfung von internen Kontrollsystemen helfen, operative und finanzielle Risiken effektiv zu managen. Automatisierte Lösungen und Technologien können die Effizienz und Wirksamkeit des IKS verbessern.

    3. Förderung einer Compliance-Kultur: Compliance sollte in die Unternehmenskultur integriert werden, mit einem starken Engagement der Geschäftsführung. Regelmäßige Compliance-Schulungen und klare Kommunikationskanäle sind entscheidend, um das Bewusstsein und die Einhaltung zu fördern.

    4. Proaktive Risikobewertung und -management: Unternehmen müssen ein proaktives Risikomanagement betreiben, das die Identifizierung, Bewertung und Steuerung von Risiken umfasst. Dies beinhaltet auch die Vorbereitung auf die BaFin-Prüfung durch regelmäßige interne Audits und die Überprüfung der Compliance-Programme.

    5. Transparente Berichterstattung und Kommunikation: Die Bereitstellung von transparenten und genauen Informationen für die BaFin und andere Stakeholder ist entscheidend. Unternehmen sollten effektive Kommunikationsstrategien etablieren, um die Einhaltung von Vorschriften zu dokumentieren und zu kommunizieren.


    Fazit

    Die Einhaltung der Anforderungen der BaFin durch effektive Corporate Governance, interne Kontrollsysteme und Compliance-Maßnahmen ist keine leichte Aufgabe. Sie erfordert kontinuierliche Anstrengungen, Engagement und Ressourcen. Unternehmen, die diese Herausforderung meistern, können jedoch nicht nur regulatorische Sanktionen vermeiden, sondern auch ihre Reputation stärken, das Vertrauen der Stakeholder erhöhen und letztlich ihren langfristigen Erfolg sichern.

    Die Navigation durch Governance und Compliance im Fokus der BaFin-Prüfung ist somit ein entscheidender Schritt für jedes Unternehmen, das in der heutigen komplexen und regulierten Finanzwelt bestehen möchte.


    FAQ: Navigation durch Governance, Compliance und BaFin-Prüfungen

    • Was ist der grundlegende Unterschied zwischen Governance und Compliance?

      Governance bildet den Rahmen: Sie umfasst die Systeme, Strukturen und Prinzipien, mit denen ein Unternehmen gesteuert und kontrolliert wird. Compliance hingegen ist die operative Umsetzung innerhalb dieses Rahmens – also die aktive Einhaltung von Gesetzen, Richtlinien und ethischen Standards. Während Governance das „Wie wir führen“ definiert, stellt Compliance sicher, dass „wir uns an die Regeln halten“.

    • Warum ist Corporate Governance im Kontext einer BaFin-Prüfung so kritisch?

      Die BaFin prüft nicht nur Einzelfälle, sondern die Qualität der gesamten Unternehmensführung. Eine starke Corporate Governance zeigt, dass Verantwortlichkeiten – etwa zwischen Vorstand und Aufsichtsrat – klar getrennt sind und wirksame Kontrollmechanismen bestehen. Transparenz sowie die Berücksichtigung von Stakeholder-Interessen sind zentrale Bewertungskriterien der Aufsicht.

    • Welche Rolle spielt das Interne Kontrollsystem (IKS) bei der Aufsicht?

      Das Interne Kontrollsystem fungiert als Frühwarnsystem des Unternehmens. Die BaFin legt besonderen Wert auf die Wirksamkeit des Risikomanagements und die Integrität der Finanzberichterstattung. Ein robustes IKS sorgt dafür, dass Fehler oder Betrugsversuche frühzeitig erkannt werden – bevor sie die Stabilität des Finanzsystems oder das Vertrauen der Anleger gefährden.

    • Was versteht man unter einer „gelebten Compliance-Kultur“?

      Compliance ist mehr als ein Regelwerk im Schrank. Eine gelebte Compliance-Kultur bedeutet, dass Integrität und ethisches Verhalten fest in den Unternehmenswerten verankert sind. Das Engagement muss von der Unternehmensleitung ausgehen (Tone from the Top). Unternehmen mit einer starken Compliance-Kultur reduzieren nicht nur Haftungsrisiken, sondern verschaffen sich häufig Wettbewerbsvorteile bei öffentlichen Ausschreibungen.

    • Wie bereite ich mein Unternehmen optimal auf eine BaFin-Prüfung vor?

      Eine erfolgreiche Vorbereitung basiert auf fünf zentralen Strategien:

      • Strukturen stärken: Klare Verantwortlichkeiten und regelmäßige Schulungen für Gremien.
      • IKS digitalisieren: Einsatz automatisierter Technologien zur Risikoüberwachung.
      • Kultur fördern: Compliance als festen Bestandteil der internen Kommunikation etablieren.
      • Proaktive Audits: Interne Prüfungen durchführen, um Schwachstellen frühzeitig zu identifizieren.
      • Transparenz: Lückenlose Dokumentation und offene Kommunikation mit der Aufsichtsbehörde.
    • Welche Konsequenzen drohen bei mangelhafter Governance?

      Neben empfindlichen Geldstrafen durch die BaFin wiegen häufig die indirekten Folgen deutlich schwerer. Dazu zählen ein erheblicher Reputationsverlust, Vertrauensverlust an den Kapitalmärkten sowie der Ausschluss von wichtigen Mandaten oder Aufträgen. Diese Faktoren können den langfristigen Unternehmenserfolg massiv gefährden.

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